Full text: Chronik der Familie Roselius

freudig begrüsst hatten, vermochte schon ein halbes Jahrhundert 
gpäter die Kirche nichts mehr zu bieten, Sie waren wieder gurück« 
gesunken unter den dumpfen Druck eines uneriräglichen Kirchenre«- 
gimwentes, das sich von dem alten papistis-chen Zwang nmnur wenig 
unterschied. Versäumer der Predigt und der Katechese wurden zur 
Anzeige gebracht und vom Amtmann mit harter Strafe belegt, © gar 
Erwachrene wurden zum Katechigmusunterricht gezwungen, der Abend«- 
mahlsgaäng naıtjähr tin Znbefonzen, die Kanzel zur Verkündigung 
weltlicher Verordnungen missbraucht, Dass dadurch die Gemeinden 
verbittiert wurden und in ihrem Frediger weniger den guten Hirten 
als vielmehr den Büttel der Lehörde sahen, ninut kein Wunder. 
Eine Resktion war bei dieser Stinsung über kurz 
oder lang unausbleiblich. Nicht nur die Laien, genjlern auch manche 
Geistliche waren dieses Kirchenregimentes überdrüszsig und 08 be= 
durfte nur eines Funkens, um den zufgehöäuften Brennstoff zum Auf» 
flackern zu vringen. Nechdem sich schon Ende des 16. Jahrhunderts 
eine sektirerische Bewegung die "Sakramentierer”" bemerkbar gemacht 
hatte, ohne jedoch grossen Zinfluss zu gewinnen, nahn im 17. Jahre 
“undert die opysitionelle Bewegung brüiter lassen gesen die Kirche 
bedrohliche Formen an. In Wirklichkeit wandten sle sich aber keines- 
WeOgS gezon die evangelische Äeligion, sondern yeren die Art, wie 
Bie gelehrt wurde, gezen ülie Äusserliche schulmeisterliche Auffag«e 
sung dor Fröanirzkeit und gegen das Polizeikirchentum. Die bittere 
Not des üreissigjährigen Krieges trug noch dazu bei, den Eoden zu 
bereiten und das Volk, dem die Kirche bis dahin Steine statt Brot 
geboten hatte, empfänglich zu machen für die neuen Lehren, welche 
gottzekire Beschaulichkeit und warmnherzivre Prömulrkeit an Stelle 
des toten Huchstabenglaubens setzen wollten. Die durch den Bruder« 
krieg krankhaft überreizte Volksseele suchte nach neuen Bahnen 
zur Viederherstellung der erschütterten Gotftesremeinschaft., Allent—- 
halzben erhoben sich ekstatische Schwärmer, welche auf Grund 
persönlich empfangener Öffenbarungen versuchten, dem Volk neu@ 
Wege zu weisen. Während bei den temperatmentvollen Bewohnern der 
Rheingegend äie schwirmerische Zewegung schon frühzeitig Einzug 
gehalten hatte, brach sie sich in dem nüchternen Nieüdersachsen 
erst im 17, Jahrhundert Bahn. Zunächst waren es einfache Laien, 
Bürger und Bauern, welche durch zöttliche Offenbarungen, Gesichte 
und Visionen anretrieg ben, eine heilire Zlission an ihren üitmenschen
	        

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