Full text: Chronik der Familie Roselius

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rechtschaffener Brüderlicher Liebe und hertzlichen Zrbarmens über 
seine arme Seele zu spüren.” Wäre er aber wirklich "ein so schröck-= 
licher Geist / als die N.,Proph. im Bericht abgenahlet werden", nimmers 
mehr würde er im Erzstift Bremen geduldet, noch von den benachbarten 
Pastoren und Mitbrüdern geliebt und geehrt, wie es, Ohne dass er sich 
rühmenm wolle, reschähe, Der Stil seiner Schrift sei zwar eiwas hart, 
aber wenn seineLehrmeister einen sanftmütigen Stil an ihm übten, 
Aann wolle er sich ebenfalls der Nachahmung befleissigen. Aus Frie« 
äensliebe wolle er die vorliegende Schrift nicht "in die Buchladen 
oder sonsten spargieren", sondern nur in Notwehr abgelen, bis er 
demnächst einen ausführlichen Gegenbericht fertig gestellt habe. 
Nach einer verhältnismässig friedlichen Einleitung geht er in seiner 
gewohnten Art zum scharfen Angriff über. Zr habe zwar von Juzend 
auf viel Verfolgung erlitten, aber keine habe ihn mehr gekränk® 818 
äie, welche ihm von falschen Brüdern schon einige Male widerfahren 
sei. Daran knüpft er die unverhüllte Drosung, Gott habe ihn bislang 
aller seiner Gegner Untergang erleben lesssen "deren etliche jähen 
Todes gestorben / etliche in ihrer Todes Angst verzweiffelt / et- 
liche vom Schler gerühret / ihre Sprache / Verstand / und Gesunüheit 
verlohren / etliche in grosse Laster gefallen / ihres Ehronstandes 
beraubet / oder en ihren Kindern / und Nachkom.en greulich gestraffet 
seyn / die noch lebende unbussfertige werden das ihrige auch wol zu 
fühlen bekommen." Nachdem er Hunnius auf diese Weise durch die Blume 
aeutlich zu verstehen gegeben, was ihm bevorstehe, wenn er UunvVeEL«= 
söhnlich bleibe, fordert er ihn auf, sich nicht in seinen Streit 
mit den Hamburgern zu mischen, sondern seines Amtes In Lübeck zu 
walten, womit er wahrlich genug zu tun habe, Sodann unterzieht er 
aie Bosheit der lamturger einer vernichtenden Kritik: "Die grosse 
Greuel und Ungerechtigkeit / so in Namburg fwast von jedermann ge- 
trieben wird / werden enälich dem Fass den Boden ausstossen, Gott 
hat sie genug gewarnet mit violen Worten und Wunderzeichen / Geist- 
liche und Weltliche / es hilfft aber alles nicht: ihr Unfall wird 
einzahl plötzlich komaen / wie der Schmertz ein schwanger weib 
überfälkt: Darum gehet aus von ihnen / dass ihr nicht tecilhafftig 
werdet ihrer Plagen." Nachdem er £o Sodoams LKnde auf seine Widersacher 
herabbeschworen hat,erklärt em zum Schluss noch einmal, dass er 
nur nach reinem Leben und gottseligem Wandel in der lutherischen 
Kirche strebe, darin er vun seinen gottseligen Voreltern erzogen 
sei. Dahin ziele und arbeite er in allen Predigten und Schriften.
	        

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