Full text: Chronik der Familie Roselius

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"ı-h schroffer geht er gegen üle Inhaber des Predigtanmtes vor: 
"Jir sind nur ohne Beist und krafft, viele worte machen die 
plauderprediger und maul-prediger, aber richten unsere 1lkhreı 
nur auf die grobe adamifische vernunfft, erhaltung des gro« 
ben fleischlich gesinneten, nicht aber auf den inwendisen 
denschen.“ 
Am grübsten ber wird er in der Neujahrsposzune p. 54: 
"Lutheri vermeynte sunessores pralen und prangen auf den 
cantzeln mit grossen krausen, mit dick ausgebroöchenen blaue 
hales-kragen mit sammeten seidenen röcken, pleich als Edel- 
leute in iren weichen kleidern in der Könire häusern und 
proeiigt mancher heuchler aus den Propheten Jona, wie man 
50211 nach dem ZExenpel der Niniviten busse thun, säcke an- 
ziehen und gehet unterdessen er uns sein weib stoltzer pew= 
kleidet zur kirchen &ls keine edele." 
Höchst abfällig urteilt er über ihre geistliche Tätirkeit in der 
Dusengsaunes 
"In Lutherischen kirchen sey nichts denn disputiren, und 
eireiten über den giaubensartikeln, die go$tseligkeit aber 
werde wenig getrieben " ferner 
“Etliche Frediger sind wie ein Vogel im Keficht die auff 
der Cantzel bald auff bald niederhüpfen, wie ein Nerr bald 
Lie bald dahin weisen, wie ein DBsuerflegel mit den Fäusten 
auff den Predig Stuhl schlagen.” 
Auf das "verderbie schul-wesen"nat er ebeifalls "geciffert" und 
seine Schriften verraten wenig Hochachtung vor Titeln und Würden, 
vieluchr fordert er in der Leujahrsposaune p. 73 dazu auf: 
"Jan soll seinen grossen Herrn Doctoren (Dooren) einzebilde— 
ton frey-geist und Licentiaten und Magisteruhm und alle 
seine cehre und thorheit für Gott deponieren." 
Diese kurzen Proten mögen genügen, Um dem Leser einen kleinen 
Einblick in dss Geigstesicben Chr. RR. zu gewähren, So schwülstig 
und Zür unoderne Nenschen ungenies:bar seine Schriften uns heute 
auch anmuien, so besicht doch kein “weifel, dass das meiste zus 
ehrlicher Überzeugung horsus mit reinem Gewissen geschrieben ist, 
Nur zu dem Zweck, eins Besserung der ihm am HNerzen lierenden kirch- 
lichen Zustände herbeizuführen. Welcher Mut gehörte dazu, mit dieser 
gchonuzzslosen Offenheit Lritik zu üben und vor niemandem Halt zu
	        
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