Full text: Deutsche Grammatik (Erster Theil (Erster Teilband))

166 Erläuterung der altnordischen Subst. Declin. 
Accnsativen ans, uns, ins darbieten. — Das Femin. 
unterscheidet seine Accusativs nirgends von den Nomina 
tiven (ar, ur, ir), was in Bezug auf die dritte und vierte 
Deck. zu verwundern ist, welche die gothische Sprache 
auch in diesem Stück den männlichen Wörtern gleichstellt. 
4) Der Dativ Pl. endet durchgängig auf um, nicht auf 
am oder im; hat also das feinere Gefühl für die unter 
scheidenden Vocale der Declinationen, wie es im Gothi 
schen und zum Theil im Hochdeutschen stattfindet, verloren. 
5) Der Gen. Pl. geht auf a und i a, ebenfalls in allen Ge 
schlechtern; diese Endung bildet einen Gegensatz der an 
gelsächsischen, friesischen und nordischen Sprachen zu der 
gothischen, hochdeutschen und altsächsischen, wo der Gen. 
auf o und e endet. 
6) Der Gen. Sing. und Nom. Pl. sind in den Declinatio 
nen, wo beide auf r endigen, theils unterschieden, wie in 
der dritten und vierten männlichen und weiblichen*) Deck., 
theils ununterschieden, wie in der ersten und zweiten weib 
lichen. Das Verhältniß in jenem Fall ist ar: ir; iar: 
ir; arr ur; ar: ir, in diesem Fall aber ar: ar. Man 
sieht auch hier die große Uebereinstimmung mit dem Go 
thischen. (Daselbst die dritte Erl.) 
7) Abweichend hiervon ist aber der Dat. Sing. der niemals 
auf a, sondern entweder auf i und u ausgeht, oder dem 
Acc. mit Abwerfung aller Endung gleich lautet. Die Er 
klärung: daß durch diese Einrichtung der Sprache ein Zu 
sammenfallen des Dat. Sing. mit dem Acc. Pl. verhütet 
werde**) (Rast S. 44), ist wahrscheinlich, scheint mir aber 
nach dem vorhin über dem Acc. Pl. beigebrachten, nicht 
auf den früheren Zustand der Sprache zu passen. Der 
Grund der Accusativendung u (dritter Deck.) war gewiß 
nicht die Bequemlichkeit einer Scheidung zwischen ihm und 
dem Dat. Sing., sondern ein tief in der Sprache liegen 
der Zug, aus dem die dritte Deck. hervorspringt, deren 
Vocallaut u übcrdem nicht blos im Acc. Pl., sondern 
selbst im Nom. Sing. zu spüren ist. Davon abgesehen, ist 
die Gleichstellung des Dat. mit dem Acc. Sing. (in der 
*) Das halbmannliche Femin. ist hier auch im Gen. Sing. dem 
Mast. rollig gleich; anders im Gothischen und Hochdeutschen. 
*') Nämlich ein Dat. auf a in der ersten, «uf u in der dritten, 
auf i in der eierten männlichen Declination würde allerdin-S 
mit dem Acc. Pl. rusammentreffen.
	        

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