Full text: Deutsche Grammatik (Erster Theil (Erster Teilband))

II 
auf u scheidet. Dies kann bezeugen, wie gründlich der 
Sprachgeist zu Werke geht, dem Femin. entzieht er sein 
sonstiges a ohne Ausnahme in dem Dativ, wo er es gerade 
dem Masc. zugetheilt hat. Das u aber, wo es im Dat. 
Masc. vorkommt, könnte theils zur Unterscheidung von dem 
Nom. Pl. auf a dienen, theils auf Wörter, die ehmals 
zur dritten Deel, gehört, hindeuten (Vergj. namentlich 
den Dat. todu). Im Dat. Pl. habe ich niemals die 
Endung am angetroffen, sondern sie wird stets durch um 
ersetzt, welches sich zuweilen mit om vermischt, daher 
auch letzteres nicht mehr ausschließlich dem Femin. eigen 
ist *). Dagegen hat sich die Endung im für die vierte 
Decl. behauptet, weniger gut oft selbst in die zweiten De, 
clinationen statt des u m eingedrängt **). Empfindlicher 
aber ist die nach und nach cinreißende Vertretung des m 
in diesem Casus durch n, welches eine nachtheilige Men, 
gung seiner Formen mit denen der schwachen Decl. zur 
Folge hat. Schon mit dem neunten Jahrhundert ist dieser 
Verlust des m entschieden. 
4) Die dritte Declination (oder die der Wörter auf u) hat 
im Femin. völlig aufgehört, und ist im Masc. auf eine 
geringe Zahl beschränkt. Indessen belief sich diese gewiß über 
die angeführten Belege ***) hinaus, und wenn die Denk, 
mäler des siebenten und achten Jahrhunderts vollständiger 
und reichlicher erhalten waren, würden wir noch manch« 
andere Masc. auf u antteffen. So beweist namentlich die 
hochdeutsche, in mehrern alten Handschriften gerettete Be, 
•) j. K und die alteren gebrauchen um bei dem starken männ 
lichen und neutralen Geschlecht'(alS: angilum. fakerum. taguin. 
fingrum. billdum. endum. chunnum. chindum. scaffuui. ubilum) 
om hingegen bei der Weiblichen starken Declination und bei 
der schwachen überhaupt (lanchvm. salidhvm. scrannvm. sun- 
tom. wahrem, ahsalom. curtilom. rahhvm. willooni. diskvvm. 
kihaltidom. augvm. orvm), wo man also wieder die mehr 
bemerkte Analogie »wischen weiblichen und schwachen Forme» 
sehen kann. Bei T. steht gewöhnlich und bei O. immer v» 
statt u n, in schwacher und starker Declination. 
**) Ich kann hier die oben S- 3» und 4?. angegebenen Belege er« 
gän»en. Für die ältere Endung um: lerarum K.24' 1 lihhisar- 
umK.soa. entmmj.594. pektumk.4Ü» Für da« spätere in: 
arnarin D.?s,6. buohherin S7,». »SS,»- lachi» jneaicu, T. 
6o, 5. scualarin O. NI »6, >g. 
Denen man noch hintufüge: haru slin„m') 8.2,,., welche« 
Masc mir dem Neurr. har (er,,»«) nicht »u verwechseln ist, 
und im Mittel-Hochdeutschen hare lautet.Maria-208.2,77. 
»-S7: Oestcrreichisch der Haar, Pl. die Höre. 
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