Full text: Kasseler Dichterbuch

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Wenn sie ein sanfter Hauch nur streift, 
Wie Seufzen und Klage Jubel und Sang 
Mit inahnender Frage zu Schweigen zwang. 
Gleich stolzen Toten stehn die dürren Halme, 
Des Lebens jungen Keim in ihren Händen, 
Gleich Totenengeln mit der grünen Palme, — 
In tiefsten Schmerzen Lebenstrost zu spenden. 
Zroiesprach. 
„Du wußtest doch, was ich dir konnte sein — 
Episode in deinem Leben! 
Ich konnte dir Gold und Edelstem 
Für Liebe und Treue wohl geben; 
Doch konnt ich das Opfer der Liebe nicht 
Mit meinem Leben beschenken. 
Was ich dir versprochen, hielt ich es nicht? — 
Stets werd' ich als Freund dein gedenken." 
„Du hast mit deinem Mammon in der Hand 
Den Reichtumshunger mir ins Herz gegraben, 
Und nennst du, im Besitz, ihn auch nur Tand, 
Ich wollt' ihn haben. 
Ich sah, wie sich die Männer darum reißen, 
Wie der geehrt wird, der Geld hat, 
Wie Edelstein und Goldesgleißen 
Die Besten lockte zu gemeiner Tat. — 
Du wolltest mich zu deinem Weib nicht machen 
Und hast um alles mich betrogen. 
Die Ruhe und mein kindlich reines Lachen 
Hast du geraubt, weil du mir Lieb' gelogen. 
Nun konnt' ich nicht mehr leben in bescheidener Enge, 
Wollt' nicht mehr leben, wie ich sonst es mußt', 
Wollt' reich sein und geachtet in der Menge,
	        

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