Full text: Kasseler Dichterbuch

Wie närrisch verliebt der Rehbock war, 
Derweil ruhig äste die Geiß, 
Wie zwei auch aus der Wildheerschar 
Gekämpft um die Braut als Preis. — 
Geschwätzig begleitet er weiter mich, 
Erzählet noch mancherlei, 
Schwingt über Stein und Wehre sich 
Und läßt mich endlich frei. — 
Fern ruft eine Glocke zum Frühgebei, 
Wie tönt sie mir Einsamen eigen. 
Im Waldeswipfel leis es weht, 
Rings um mich tiefes Schweigen. 
Von fern hör' ich der Glocke Klang 
Mit bebend weher Klage 
Erzählen von des Alltags Drang, 
Der Last der Erdentage. 
Dann jauchzt sie mit jubelhellem Sang 
Von der Hoheit der göttlichen Werke, 
Der goldenen Freiheit von eklem Zwang 
Und der Reinheit erhebender Stärke. — 
Im Banne mich die Glocke hält, 
Im Walddom rauscht's in dm Zweigen. — 
Geht, Menschen, hinein in die sonnige Welt, 
Und danket dem Schöpfer mit Schweigen! 
Herbstlied. 
Seht, wie die Frucht die Häupter gebogen, 
Der Halm ist tot, das Korn gereift. 
Leis raunt es durch die gelben Wogen,
	        

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