Full text: Kasseler Dichterbuch

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Die Hörnen. 
Es rinnt die Zeit in den Weltenraum — 
Was flüstern die Drei am Eschenbaum? 
Den Rätselblick hebt die Junge, Skuld, 
Und lächelt leise: Nicht trag' ich Schuld — 
Ich mische die Lose nach Schicksalsschluß, 
Und kommt für jeden, was kommen muß. 
Doch kann ich wehren der Freundin mein, 
Der holden Göttin im Morgenschein? 
Ihren Schleier läßt sie, den endlosen, wehn, 
Wo der Menschen Wege verschlungen gehn. 
Und die auf Höhen, im engen Tal, 
Am Blütcnpfade, zu dumpfer Qual, 
Und kampfgerüstet, und matt am Stab, 
Das Ziel noch ferne, so nah' dem Grab — 
Sie wollen alle nur, wo sie gehn, 
Durch den Zauberschein der Hoffnung sehn. — 
Es spricht Wcrdandi, das stolze Weib, 
Und dehnt zur Sonne den blühenden Leib: 
Den Schleier lüft' ich im goldnen Heut' — 
O, daß sie nützten, was rasch es beut! 
Aus Augenblicken wind' ich den Kranz — 
Wer greift die Rosen im Stundentanz? 
Zerdrückt den Dorn, eh' er ätzend sticht 
Und gebieret die Tat, die strebt zum Licht? 
Und Urdr, die Alte, so tief ergraut, 
Zum Runensteine gebückt sie schaut: 
Sie forschen so lange, was ich schrieb so dicht, 
Sie lesen die Schrift, doch sie hören nicht. 
Und, wenn zu mir sich verirrt ihr Gebet — 
Umsonst, umsonst es Erhörung fleht:
	        

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