Full text: Kasseler Dichterbuch

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In ihrem Garten duften 
Viel Blumen brennend rot — 
Dort ist für sie beschlossen 
Das Leben und der Tod. 
Der Wüste gift'ger Odem 
Verhaucht vor ihrem Tor; 
Des Weltgetriebes Branden 
Erreicht nicht mehr ihr Ohr: 
Von zwiefacher Oase 
Sah ich die Tage fliehn, 
Im Reich der weihen Nonnen, 
Im Kloster Miserghin.. 
Wandlung. 
(Nordseebild). 
Ein finster Bahrtuch, breitet sich der Schlick 
Weit, weit zur Flut, 
Als ob der Menschheit Not und Mißgeschick 
Darunter ruht — 
Es spannt der Himmel schwer ein steinern Grau, 
Gleich eines Gruftgewölbes niederm Bau. 
Strandhafer hängt zerrissne Fahnen drein, 
And Regenpfeiffer klagt die Litanei'n. — 
Da, am Gewölb' erklaffend, schmaler Spalt — 
Unheimlich Licht dahinter, gelb und kalt — 
Und plötzlich bricht hervor ein Strahlenkranz, 
Weckt auf dem schwarzen Schlick Perlmutterglanz, 
Und eine Möwenkette, silberrein, 
Zum Wasserfaden fällt mit Siegesschrei'n, 
Und ruht, gereihet, Perlen, marchengroh 
Und glanzerhellt, 
In dieser Riesenmuschel Farbenschoh — 
Der Reichtum einer Welt!
	        

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