Full text: Kasseler Dichterbuch

Der rauhe Held kennt kein Erbarmen. 
Wild greift er nach ihren weichen Armen. 
Perlen zerstieben vom Halsgeschmeide, 
Fehen fliegen vom seidenen kleide. 
Und ob sie gleich möchte vor Scharn verglühn 
Und tapfer sich wehrt, er küßt sie kühn — 
And reißt ihr — sie hätte es nimmer geglaubt 
Die schimmernde Krone vom stolzen Haupt. 
Die Knappen indes mit blanken Waffen, 
Dom Loden die blitzenden Schätze raffen. 
Sturmrossen läd man sie eilend auf 
Und sprengt davon in wildem Lauf. — 
Auf Wolkenwagen sanft und sacht 
Naht die Nacht, 
Schreitet zögernd durchs stille Tal, 
Lindert der Sterbenden letzte Qual, 
Klagt um die Lieben aus tiefster Brust, 
Betet an den Gräbern der Lust, 
Weint 
Bis die Sonne scheint. 
Die windet mit Lachen aus Glut und Glanz 
Ams Todestal den Überwinderlranz. 
Meine Zeele. 
Meine Seele ist wie ein dunkler Wald. 
Durch Wipfel weben 
Sonnenkringel ein goldig Leben 
Auf Blumen namenlos, mannigfalt. 
Gleich einsamen Rosenranken 
Ruh'n rings auf tauigen Matten 
Glutträumende Gedanken. 
Im Dämmerschatten
	        

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