Full text: Kasseler Dichterbuch

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Das erste Fuder rauschte herein. 
Er sah den Segen und schlummerte ein. 
Himmlische Scheunen, die taten sich auf, 
Nun fuhr er goldene Garben zu Haus. — 
Müde Enkel im Abendglanz 
Wanden dem Ahn einen Ährenkranz. 
Hessisches Städtchen. 
Waldüberwacht am Berghang hingelehnt, 
Wie eine Braut, die sich zum Bräut'gam sehnt, 
Steht es und starrt mit hold verträumtem Blick 
Entgegen seinem unbekannten Glück. 
Derweilen droben in dem Burggemäuer 
Schürt froh Frau Sage noch ihr flackernd Feuer. 
Und manchmal summt sie leise für sich hin 
Von Königsschähen tief im Bergschoß, drin. — 
Der Mauerturm im hart zerschlissenen Kleid 
Ragt wie ein Fremdling in die neue Zeit. 
Einreiten sah der einst durchs off'ne Tor 
Den tollen Tilly, der Kroaten Korps. 
Hei, wie die Flammenflut ihn heiß umzuckte, 
Die alles fraß und gar den Kirchturm duckte! 
Ein Chaos ward da unten. — Lang ist's her. — 
Ein Dohlenpaar huscht aus zerbroch'ner Wehr. 
Das weckte wohl das kurze, schirille Lied. 
Der Eilzug sang's, der donnernd westwärts zieht. — 
Verlegen starrt der Turm sich um und um. 
Kopfschüttelnd brummt er in den Bart: „Wie dumml" 
Was tu' ich noch in diesem Zauberspiel?" 
Krach! — War's ein Stein, der aus der Brüstung fiel?
	        

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