Full text: Kasseler Dichterbuch

Noch in der Nacht sprach der Konvent. 
Ein Mt sich wieder Vertho nennt. 
Noch in der Nacht stieg der zu Rost. 
In Asche sank Graf Gisos Schlost. 
Der Graf in der Genossen Schwall 
Rast wie der Schreck durchs Haseltal 
Und rastet nicht vor sinkendem Tag, 
Bis ihn ein Kirchlein lockt im Hag. 
Und wie der Blitz fchiestt's durch fein Blut: 
Der Turm, die Mauern schützen gut. 
Hinauf, hinein. Verrammelt das Tor. 
Schon schnauben die Rosse im kühlen Chor. 
Graf Giso springt auf den Tisch des Herrn 
Und späht ins Lichte: „Noch sind sie fern!" — 
Durchs Fenster zittert das Abendrot. 
Sie lauschen und lauern auf den Tod. 
Dumpf naht es heran wie Wettergebraus, 
Wie Donner rollt es ums Gotteshaus. 
Die Rosse stampfen, es poltert, es kracht. 
Dann bricht es herein mit Macht, mit Macht. 
Und an des Friedens heiligstem Ort, 
Da wütet das Schwert, da schreit der Mord. 
Graf Giso wie ein Priester steht. 
Sein Schwert stöhnt manch ein Stostgebet. 
Sein Schwert kennt keine Gnad' und Frist. 
Er streitet wie der Antichrist. 
Da plötzlich — o — welch kühner Fant 
Schlug ihm den Flammberg aus der Hand? 
Noch eh' er's richtig überdacht, 
War er auch schon zu Fall gebracht. 
Gras Giso lag, lang wie er war, 
Als Opfer auf dem Hochaltar. 
Abt Berthos Hiebe trafen gut, 
Denn heilig Blut ist Abtes Blut.
	        

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