Full text: Kasseler Dichterbuch

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0b er ft (EmmericE). 
„Habe nun unter dem alten Fritz 
Gestanden bei Leuthen und Bunzelwitz, 
Habe an England mein Fell verkauft 
Und mit den Wankees drüben gerauft, 
Bin oft dem Tod in die Arme geritten 
Und sollte feig um Gnade bitten? 
Nein, Kinder, nein! — Mein Haar ist weist. 
Paar Jährchen mehr — was hilft's dem Greis? 
Dafür soll der welsche Weichling sehn, 
Wie alte Soldaten zum Sterben gehn. 
Und wenn sie den Kolben zur Backe heben, 
Dann ruf ich: Mein Herr, der Kurfürst, soll leben! 
Nur eins begehr' ich in letzter Stund', 
Die Pfeife, die lasse ich nicht aus dem Mund: 
Ich hab' sie geachtet wie einen Freund, 
Sie ist, wie ich, gebrannt und gebräunt 
Aus gutem Ton harthessifcher Zeiten, 
Die soll mich nun auch zum Richtplatz begleiten. 
Ja, das mit der Pfeif' ist ein eigen Ding, 
Im linken Mundwinkel stets sie hing, — 
Die Kugeln pfiffen; — Potz Wetter und Brett! 
Die Pfeife, die war wie ein Amulett! 
Ich glaubte, es könnte mich keiner morden, 
Solang' mir der Tonkopf nicht kalt geworden. 
Lag mal im Felde totsterbekrank, 
Und wie ich schon mit dem Tode rang, 
Da rief ich: Jungens, noch einen Kopf, 
Und danach hol' mich der Wiedehopf! — 
Der Feldscher hatte mich aufgegeben, 
Aber die Pfeife erhielt mich am Leben.
	        

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