Full text: Kasseler Dichterbuch

256 
jBon Rosenfeuer übergössen stehen. — 
„Es haben Sohn und Mutter dich vergessen." 
So spricht er flüsternd, und er neigt sein Haupt. 
Doch plötzlich hebt er's neu empor, ein Lächeln, 
Schnell wie die Sonne, küßt Jehovas Thron. 
„Herr, Herr, sieh' dort!" so ruft des Cherubs Mund — 
Und ftagend Jauchzen klingt ihm von den Lippen. 
„Sieh' dort die Kerze! Eines Dankes Kerze, 
Die schimmernd sich aus Säulendämm'rung löst! 
Wer brachte sie? — Es drängt so viel des Volks 
Im mächt'gen Dom, daß ich die Hand nicht sah, 
Die sie dem goldverzierten Leuchter schenkte!" — 
Da sprach Jehova — und sein Antlitz war 
Mild wie ein Stern, der groß, erhaben leuchtend, 
Im fernen Ost vor Sonnenaufgang steht: 
„Ein armes Weib — es weihte mir die Kerze! 
Fünf blühende Geschöpfe, ihre Kinder, 
Umspielten jüngst noch ihren stillen Herd. 
Aus ew'ger Weisheit, die ihr Erdengeist, 
Der engbegrenzte, noch nicht fassen kann, 
Berührt' ich ihre Schar — Ich nahm ihr vier! — 
Sie dankte mir, daß ich das letzte lietz . .
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.