Full text: Kasseler Dichterbuch

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Streicht sie die Wange mir nach Frauenart 
Und hebt das Kind empor zu Gruß und Kuß . . . 
Dann ist es aus mit mir. 
Ich muß, ich muß! 
Ich muß mich beugen und mit ihnen klagen, 
Mit ihnen reden von vergangenen Tagen, 
Beleben, was schon längst vergessen, tot, 
In Nacht versank wie seufzend Abendrot. — — 
Da knarrt die Tür. 
Und Rosen, jung und frisch, 
Stellt mir Marie aus meinen Arbeitstisch 
Und weckt der Lampe lustig lachend Licht, 
Das einen Strahlenkranz um ihre Locken flicht. 
Und hebt sie drohend noch die kleine Hand, 
Versinkt gar schnell der Träume Dämmerland, 
Und ihrer Rosen, ihrer Augen Macht 
Mir neues Leben in die Seele lacht. 
Dann wendet leis sie sich und ohne Wort 
Und nimmt gelassen alles Leid mit fort. 
Erinnerung. 
Denkst du des Morgens noch, 
Da du mit mir gegangen 
'Im stillen Park, 
Wo Silberfischlein sprangen 
Und traute Vögel morgenfreudig sangen? 
Weißt du es noch? 
Die Welt war reich, 
Der Sonne Gold umspann 
Das ärmste Gräslein, 
Durch die Wipfel rann 
In tausend Perlen süßer Liebe Schein 
Und drang so tief in unser Herz hinein. 
Weißt du es noch?
	        

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