Full text: Kasseler Dichterbuch

238 
Dahin hat sich heute Frau Glück verirrt. 
Schon Mütterleins Mutter vor Jahren sprach: 
„Frau Glück wohnt draußen im Birkenschlag." 
Dort saßen wir lachend im grünen Moos, 
Des Waldes duftende Blumen im Schoß, 
Und fühlten heißer die Wangen glühn 
Und schauten verstohlen durchs lichte Grün 
Und merkten, daß hinten im Birkenschlag 
Wieder die Göttin des Glückes lag. 
Wir sahen, wie heimlich da auf und nieder 
Die Farren schwankten, und hin und wieder 
Zur Erde sich neigte ein schaukelnder Ast, 
Als habe sie spielend danach gefaßt, 
Und merkten, daß hinten im Birkenschlag 
Wirklich die Göttin des Glückes lag. 
Mit dem Duft der Linden säuselte leise 
In märchensüßer, bezaubernder Weise 
Durch Vogellieder und Sommerlust 
Ein Strom des Glückes in unsere Brust. 
Schon Mütterleins Mutter vor Jahren ja sprach 
„Frau Glück wohnt draußen im Birkenschlag." 
Ua st. 
Wo Nelken stehn und Rittersporn, 
Da liege ich müßig am Wiesenborn. 
Im Sonnenbrand flimmert die blaue Luft, 
Vom Walde herüber wellt Lindenduft. 
Fern hört man Wehen und Sichelklang, 
Dazwischen auch knorrigen Bauernsang.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.