Full text: Kasseler Dichterbuch

— 8 — 
G hätt' ich noch die Hellen Uinderaugen. 
O hätt' ich noch die hellen Kinderaugon, 
Des Herzens leichten, freien Schlag, 
Getret'ne Blumen zu beweinen, 
Den Käfer — der am Wege lag, 
Um bei dm ersten Tränen wieder aufzujubeln. 
Nachhaschend einem Schmetterling 
Und — halb betrübt und doch mit Freude — 
Ihn freizulassen, den ich mühsam fing. — 
Ich sehnte mich nach großen Schätzen, 
Ich träumte mir ein Märchenland, 
Und baut' mit ungeschickten Händchen 
Manch' Feenschloß in längst verwehtem Sand. — 
Das Herz schlägt doch; nach seiner Weise 
Gehorcht es der notwend'gen Pflicht, 
Doch wie in jenen Jugendtagen — 
So wechselfroh empfindet 's nicht, 
Und wie ich spähe, fern und nahe, 
Zu wenig will den Wünschen taugen. 
Der dunklen Schatten sind zu viel, 
Mir fehlt die Unschuld reiner Kinder-Augen; 
Nur wenn sie müde sich im Schlummer schließen, 
Der Schlaf die Gegenwart verbannt, 
Führt mich zurück der Träume Weben 
Zu meinem schönen Iugendland. — 
Die Schätze und die Märchenländer, 
Die meine Kindheit einst begehrt, 
Sind — wie das Paradies verloren — 
Mir Sterblichen verwehrt. 
Der Geist blieb frei und geht auf Pfadm 
Geheimnisvoll zu lichten Höhen, 
Wo jenseits von der Sinne Walten 
Kein Zweifel, keine Rätsel mehr bestehen.
	        

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