Full text: Kasseler Dichterbuch

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Und mit dem Weibe viel Reichtum und Macht. — 
Jetzt taumelt er schwankend zum Zelt daher, 
Jetzt sinkt er hin auf sein Lager schwer, 
Umgaukelt von Träumen gar licht und hell 
Entschlummert der Recke, der müde, schnell. — 
Und wie er liegt und sich nimmer regt, 
Der Vorhang sich leis wie im Winde bewegt, 
Und es gleitet, unhörbar, ein Schatten der Nacht, 
Herein eine bleiche Maid gar sacht. 
Sie macht vor dem müden Schläfer halt 
Und reckt empor die schlanke Gestalt, 
Und zehrend trifft ihrer Blicke Glut 
Den Helden, der wehrlos da vor ihr ruht. 
Und hastig entfährt es bitter dem Mund: 
„Herr Fruto, jetzt naht dein Verhängnis zur Stund, 
Du schwurst, mich zu lieben, ich glaubte dir, 
Du triebst dein loses Spiel mit mir. 
Du Narr, du glaubtest vergessen zu sein, 
Doch lichterloh flammt noch die Liebe mein, 
Und die stolze Braut, die dein Herz entzückt, 
Wird nie als dein Weib an die Brust gedrückt. 
Mein bist du, mein bleibst du, Und sollt' es geschehen — 
Wir wollen zusammen zur Hölle geh'n. 
Den Hochzeitstrank, den bring' ich dir, 
Die Muhme, die Waldfrau, braute ihn mir. 
Hei, wie er glänzt in der Fackel Schein, 
Ein feurig Tränklein, das stillt alle Pein! 
Nimm hin, nimm hin, denn mein Trank ist gut, 
'Ihn beut ja der Liebe verzehrende Glut!" 
Und durch des Schläfers halboffenen Mund 
Rinnt Tropfen für Tropfen hinab in den Schlund — 
Ein Dehnen, ein Recken, ein Röcheln schwer 
Und bald — unheimliche Ruhe umher. — 
Das rasende Weib nun von ihm läßt, 
Hellauf lacht sie schrill und schlürft den Rest» 
Sinkt über den Helden todeswund 
Und küstt chm jauchzend das Gift vom Mund:
	        

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