Full text: Kasseler Dichterbuch

Streitet und schwatzt über nichtige Dinge, 
Tut, als ob Leben und Sterben dran hinge, 
'Findet alles fade und dumm. 
Herren tm Cut, mit Monokel und Glatzen 
Üben sich hier in blasiertesten Fratzen 
Und in galanten Reden dazu. 
Damen — kokett nickt die Straußenfeder, 
Zierliche Füßchen in dänischem Leder — 
Lächeln und hören andächtig zu. 
Hinter den Pfeilern, an allen Wänden 
Wartet des Winks von gepflegten Händen 
Stumm und befrackt das Bedientenheer. 
Windel sich lautlos mit Gläsern und Tassen 
Flink und geschickt durch die engen Gassen, 
Zwischen den Tischen und Stühlen einher. 
Über allem webt bläulicher Schimmer, 
Brennt in die Augen und dämpft das Geflimmer 
All der blendenden Lämpchen im Saal. 
Da —! In das Lärmen und Lachen und Naschen, 
In das Klirren von Gläsern und Flaschen, 
Jauchzt eine Geige mit einem Mal'. 
Pußtalieder . . ! Die weichen Akkorde 
Schmeicheln sich, kosend wie Liebesworte, 
Jedem Hörer ins lauschende Ohr. 
Braune Zigeuner mit struppigen Haaren, 
Flammenden Augen und wildem Gebühren 
Locken den Klang aus den Saiten hervor. 
In ihren Augen glimmt heißes Verlangen, 
Sehnsucht brennt auf den braunen Wangen 
Nach der Steppe, dem Sonnenbrand. 
Im kalten Norden, in dumpfen Lokalen, 
Geigen sie, Heimweh im Herzen und Qualen, 
Traurige Weisen aus Ungarland.
	        

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