Full text: Kasseler Dichterbuch

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Und hoffend und harrend erwarte den Tag, 
Da's auch im Herzen dir lenzen mag! 
V st e r m o r g e n. 
Nach langen, leidgequälten Wrntertagen 
Ward's wieder Frühling nun im deutschen Land, 
Und tausend Lenzeswunder wollen sagen: 
Zu neuem Leben die Natur erstand! — 
Und keine Hütte fern auf deutscher Erde, 
Zu der heut' nicht die Osterbotschaft dringt, 
Da nun ein allgewaltig, jauchzend „Werde!" 
Wie Heroldsrus in alle Täler klingt. — — 
Und doch gibt's viele tausend Menschenseelen, 
Auf denen lastet's bang wie Wknterzeit, 
Und wenn es auch die Lippen stolz verhehlen — 
Die bleichen Mienen künden tiefes Leid. 
Sie reden wohl von kummervollen Nächten, 
Von heißen Tränen, die da still geweint — 
Sie reden auch von finstern Lebensmächten, 
Vom trüben Tag, da keine Sonne scheint . . . 
Von ärmsten Hütten, wie von Prunkpalästen 
Geht traurig Klagen, wehes Seufzen aus — 
Wo Sorge, Krankheit schwer die Herzen preßten, 
Da schritt der Freude Lichtgestalt hinaus. — — 
An frischen Grabeshügeln weint die Liebe, 
Da nun das Teuerste auf Erden schied — 
Bei allem Trostspruch blieb das Auge trübe: 
Im Glauben selber ward' die Seele müd' . . 
Horch! . . . Glockenklänge schweben in den Lüften — 
Christus erstanden und dein Heiland nah' . . . 
Die Sonne kündet's leuchtend allen Grüften:
	        

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