Full text: Kasseler Dichterbuch

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Die Nacht steigt grauschwarz aus dem Meere auf, 
Die Sonne starb schön in Raketenflammen; 
Der engen Gassen, Straßen wirrer Lauf 
Drängt auf der Piazetta sich zusammen. 
Das schwatzt und lacht And lärmt im Nimmerrasten, 
Nur schweigend liegt San Marcos heilig Haus; 
Doch aus der Menge flutend buntem Hasten 
Drängt in das stille Meer es mich hinaus. 
Leis taucht die Gondel in die stumme Nacht, 
Vorbei der Serenata Lautenklang — 
Nun hältst du mich umfangen, heilige Macht, 
Entrückt des Tages Lärm und Spiel und Sang. 
Der Nachtluft weiche Fluten schmeicheln leise 
Sich um mich her wie Duft von deutschem Flieder, 
Eintönig klingt im Takt des Ruders Weise, 
Und wohligsütz entspannen sich die Glieder. 
Venezia Bella! Zauberisches Wort! 
Von Mondenlicht und Poesie so lind umdämmert, 
Du klingst im Echo ewig in mir fort, 
In der Erinn'rung Tafel eingehämmert. 
Ein Sternendiadem, wie eine Braut, 
Trägt funkelnd deine Stirn zur Hochzeitsfeier, 
Und schmeichelnd um die Schultern weich und traut 
Das grüne Mondenlicht schlingt zarte Schleier. 
Und träumend lag ich, ließ die Gondel gleiten 
Und sah hinauf zum schwarzbesäten Himmel — 
Da plötzlich, plötzlich will es mich bedeuten, 
Daß um mich irrt ein wildbewegt Gewimmel. 
Ich sehe durch die Mauern der Paläste 
Prunksäle, Gold und Glanz und froh Gewühl 
Im üppig lustbeschwingten leichten Feste 
Und Tänzerinnen, Sang und Saitenspiel.
	        

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