Full text: Kasseler Dichterbuch

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„Des Kurfürsten Jäger — das tut nicht gut; 
Denn Blut, das fordert wieder Blut. 
Und wir, wir büßen es mit ohnmaßen, 
Denn mit unserem Herrn ist nicht zu spaßen. 
Da kommt er schon selber — wer rief ihn so schnell? 
Nun sei Gott dir gnädig, du rascher Gesell." 
Und es teilt sich die Menge; der Fürst tritt ein, 
Auf dem Antlitz wie zuckenden Wetterschein. 
Und er sieht seinen Jäger zu Boden gestreckt 
Und den andern, der dasteht, das Haupt gereckt, 
Im blitzenden Auge von Furcht nichts zu sehn — 
Scholare, dir wird bald der Trotz vergehn. 
„Was ist hier geschehen? Wer fing den Streit an?" 
So herrscht er zum Schultheiß. „Ja, Herr, wer 
begann, 
Das — ja — mit Verlaub, ist schwer wohl zu 
sagen — 
Um ein Dirnlein natürlich hat man sich geschlagen, 
Ein jeder sie hatte zum Tanze begehrt — 
Der Student wohl zuerst — doch da hat ihm ver 
wehrt 
Der Leibjäger Fritz das jungfrische Blut 
Und zog seine Wehre — der and're voll Wut 
Ging auch mit der Plempe gleich auf ihn los 
Und Hieb und Hieb und Stoß um Stoß — 
Und da — nun ja, da war's schon geschehn, 
Wie Kurfürsten Gnaden ja selber sehn. 
Wir sind ganz unschuldig, Herr, wollet's bedenken, 
Und Eure Huld uns auch ferner schenken." 
Da sieht sich der Fürst erst an den Scholaren, 
Und er zuckt zusammen — vor vielen Jahren, 
Da hat er zwei Augen wie diese gesehn, 
Die seitdem ihm noch in der Seele stehn. 
„Seid ihr wohl von Nürnberg?" „Jawohl, gnädger 
Herr." 
„Wie heißt eure Mutter? Ihr gleicht ihr wohl sehr?"
	        

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