Volltext: Kasseler Dichterbuch

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Doch wir, die Nahrung suchen für die Seele 
Und Formvollendung, unser Auge zu erlaben, 
Die wir die Seele baden möchten in Schönheitsglanz, 
In der erhabenen Vollkommenheit, — 
Sind wir für dieses Tal bestimmt, 
Sind wir nicht Höhenmenschen, Bergesfreie, 
Sind wir nicht Könige im Königreich der höchsten, 
ew'gen Gipfel, 
Ick, Könige in jenen Sphären, die der Himmel Atzt, 
Wo unsrer Seele Heimat ist, 
Dort, dort in ew'ger Schönheit, ew'ger Einsamkeit? 
Bei Sonnenuntergang. 
(Es taucht sich still zum letzten Mal 
Das Tal in heißes Glühen, 
Und von den Wäldern schimmert rot 
Der Sonne letztes Sprühen. 
Die weite Ferne schwimmt im Blau 
Sehnsüchtiger Gedanken, 
Und um die Hoffnung will sich still 
Ein heißer Glaube ranken. 
Der 5 onn' entgegen. 
Der Frühreif liegt auf allen Wegen, 
Auf jedem Zweig und jedem Ast. 
Ich eile froh der Sonn' entgegen, 
Laß hinter mir der Erde Last. 
Ich wandre aufwärts zu den Höhen 
Durch manches wilde, dunkle Tal, 
Um auf den Bergen dann zu stehen 
Befreit von aller Erdenqual.
	        
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