Full text: Kasseler Dichterbuch

Die beiden unten, dort auf der Fremdenbank, 
Die wußten nicht mehr, werd' ich gesund oder krank. 
Die saßen da versenkt in das Engelsgesicht 
Der Kunst Melozzos, versenkt in Glück und Licht. — 
Dann ging der eine, der blasse Fremde, fort, 
Der Italiener aber saß noch ein Weilchen dort, 
Dann ging auch er, getröstet, gestärkt, in Ruh, 
Verließ Sankt Peter und schritt seinem Häuschen zu 
Und fand sein Weib und faßte sie bei der Hand 
Und rief ihr zu, was selber er kaum verstand : 
„Faß Mut, faß Mut, die Engel der Sakristei, 
Sie loben noch Gott, das Elend geht vorbei." 
Und küßte die Frau, die nicht wußte, wie ihr geschah, 
Und nichts verstand, weil sie die Engel nicht sah, 
Und was sie sah, das kannte sie auch noch nicht: 
Das war das Licht seiner Augen, das Licht, das 
Licht. — 
Zur sich. 
Jeder ist im Grunde einsam, 
Jeder geht die eig'nen Wege, 
Klettert seine eig'nen Berge, 
Schreitet seine eig'nen Stege. 
Jeder im Gedankenreiche 
Ist von aller Welt geschieden, 
Meist von allen andern Menschen 
Unverstanden und gemieden. 
Nur in heitren, frohen Spielen 
Faßt der Mensch sich bei den Händen; 
Strebt sein Geist nach fernen Zielen, 
Muß er sich von andern wenden.
	        

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