Full text: Kurzer Abriß über die Entstehung und Entwicklung der Industrie in Schweinfurt am Main bis Ende 1921

jährlich beiläufig 400 Zentner Blei und die entsprechende 
Menge Pfeifenerde zur Verarbeitung gelangten, und daß Fab- 
rikate nach Frankfurt, Nürnberg, in das Oesterreichische und 
bis nach Hamburg abgesetzt wurden. Die Firma hatte „zur 
Ehre der Stadt in verschiedenen Städten ihre Kommissionäre“ 
und beschäftigte 12—14 Arbeiter. 
Der gute Fortgang des Geschäftes rief andere unter- 
nehmungslustige Schweinfurter Bürger auf den Plan. Es 
richtete Johann Caspar Cramer im Jahre 1803 ein Gesuch 
an die Kurfürstlich-Bayerische Regierung mit der Bitte, eine 
Bleiweißmühle errichten zu dürfen, führte aber den geneh- 
migten Plan nicht aus. 
1791 wurde dem Kaufmann Johann Georg Gademann, 
der 1790 am Werrnbach, an der sogenannten „Bellevue‘“ eine 
Märbelmühle errichtet hatte, die Genehmigung zum Bleiweiß- 
mahlen in seinem Anwesen erteilt, aber auf Einspruch des 
Johann Martin Schmidt, welcher ein reichskammergerichtliches 
Urteil zu seinen Gunsten 1796 erwirkte, wieder entzogen. 
Bedeutungsvoll ist aber, daß mit der Bleiweißfabrikation 
die Grundlage für die Entstehung der Schweinfurter Farben- 
industrie geschaffen wurde, die im Laufe der Jahrzehnte sich 
stark entwickelte und den Namen unserer Stadt in allen Erd- 
teilen bekannt machte. 
Jahrzehntelang blieb diese Industrie „allein auf weiter 
Flur“, bis die Umstellung der deutschen Wirtschaft auf die 
Industrie auch für die Stadt Schweinfurt einen sich immer 
steigernden. Aufstieg im Gefolge hatte. 
In dem eng gezogenen Rahmen der Schilderung der Ent- 
wicklung der Schweinfurter Industrie konnten allgemeine 
Fragen, die mit städtischer Geschichte, mit Volkswirtschaft 
und dem Verkehrswesen zusammenhängen, nicht behandelt 
werden, so interessant es gewesen wäre, auf diesen Gebieten 
weiter auszuholen. In diesem kleinen Werkchen sollten nur 
die Industriefirmen, wie sie derzeit in Schweinfurt bestehen, 
aufgezeichnet werden, wobei bei der Reihenfolge Rücksicht 
auf den Geschäftszweig und auf das Alter dieser Firmen ge- 
nommen wurde; außerdem wurden die industriellen Anlagen 
der Stadt Schweinfurt kurz aufgeführt und schließlich eine 
Reihe unserer älteren erloschenen Firmen erwähnt. Eine solche 
Zusammenstellung mit genaueren Daten fehlt bis heute, sie
	        

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