Full text: Gedichte

„Die Thore auf für meine Schaaren! 
Bei Dem, der meine Seele kennt, 
Willst du vor Martern dich bewahren, 
Die keines Ritters Lippe nennt. 
Die Thore auf! Laß' dich belehren; 
Ein Schwert ist viel — es ist kein Brod. 
Was du mir heute magst verwehren, 
Gewahrt mir morgen eure Noth." 
„Ich denke, du hast wahr gesprochen," 
Erwiedert ihm der junge Held; 
„Ich hab' das letzte Brod gebrochen, 
Und trinke, was vom Himmel fällt. 
Doch können wir noch fechtend sterben, 
Gewinnen noch Soldatenruh'; 
D'rum, willst die Veste du erwerben, 
So sage an: was bietest du?" 
„Den Deinen königlich' Erbarmen." 
„Und hast für mich?" — „Das Henkerschwert." 
Wie glühend edle Scham dem Armen 
In die gehöhlten Wangen fährt! 
Er steht gebannt und preßt die Zähne, 
Im Schrecken steigt empor der Haß; 
Es kämpft hier mit dem Zorn die Thräne, 
Die Röthe mit dem Todtenblaß.
	        

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