Full text: De graute Klocke

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En angermol passierte den zwei Männern was Lustiges, un das 
fall hie äh verzallt wären. Se hatten nämlich Widder en Fuder- 
Holz un woren ufs'ni Wäge nah Firschler. Wie se dann die de 
Zockerfabrike hinger Willungen kamen, locken se sich imme. Do 
kamen zwei Härren hinger än här. Jeder hatte en Spaziersteckchen 
in der Hand un en Ränzelchen anne. Die zwei Härren woren 
ganz sreindlich, nahmen ähre Hiede von Koppe un seihten : „Guten 
Tag, lieben Leute!"— „„Schemen Dank, meine Härren,"" gaben 
Gottlieb un Frieder zer Antwort. 
„Wo fahren Sie benn hin?" fragten die Fremmeden. 
„„Nach Fritzlar,"" sprach Gottlieb, „„da verkäsen wir das Holz. 
Un mit Erlöbniß ze fragen, wo wunn Se dann hin?"" 
„Wir wollen zu Fuß nach Wabern und von da mit der Bahn 
nach Berlin," gab eener von den Härren zer Antwort un streck) 
dobie sinen strammen Schnurwes. 
„„Wann ich frügen därf,"" nohm Gottlieb das Wort, „„was 
sin Se dann un wie is Ähre tverthe Nome?"" 
„Ich heiße Adolf Flunker," sprach der eene, „und studiere in 
Berlin als Obersteuerinspektor, und hier mein Freund heißt Gott 
fried Steiß, er will Landwirthschafts-Minister werden." Un dobie 
kacken die jungen Hären ganz sure wie Essig. 
„„Na, das trifft sich je spaßig,"" seihte Gottlieb, „„dann Hee 
ßen Se van vorne halb wie ich."" 
„Halb wie Sie?" wie soll ich das verstehen?" fragte Gottfried 
Steiß. 
„,,Jö,"" antwortete Gottlieb, „„Se Heeßen Gottfried un ich 
Gottlieb, da sin me von vorne här Namensverwandte."" Do lachten 
die Härren, daß se sich den Buch Haler: mußten, un Adolf Flunker 
fung Widder ganz ärnsthaft an: „Wir haben gehört, der Bauern- 
stand hier in Waldeck sei so sehr mit Steuern belastet, wir reisen 
deshalb im Lande umher und ziehen Erkundigungen ein. Wir 
sind deshalb auch schon bei Ihrem Landesdirektor gewesen. Wir 
wollen dann, wenn mir demnächst angestellt werden, Sorge tragen, 
daß die Steuern dem gedrückten Bauernstande, namentlich den Klein
	        

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