Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

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zahmer wird, auf den Hals. Von dieser Stelle aus lenkt er später den 
Elefanten, wohin er will. Ist letzterer auch endlich ganz gezähmt, so 
muß man doch stets den Ort mit ihm vermeiden, wo er gefangen 
worden ist, weil er sich dann seiner Freiheit wieder erinnert und meistens 
entflieht. 
Im Jahre 1782 entfloh ein Elefant auf einer Tigerjagd. Nach 
18 Monaten wurde er mit einer Herde gefangen und von seinem Führer 
wieder erkannt, welcher auf einem Elefanten auf ihn zuritt und ihm befahl, 
sich niederzulegen. Ganz erstaunt gehorchte er augenblicklich. 
Ist der Elefant gezähmt, so ist er für den Menschen ein sehr nütz 
liches Tier; er wird zum Tragen und Ziehen abgerichtet und ist auf der 
Tigerjagd fast unentbehrlich. Er kann eine Last von 1000 — 2000 kg 
tragen. 
Beispiele von seiner Klugheit, Dankbarkeit, aber auch Rachsucht gibt 
es unzählige. Kaup.' 
86. Die Wanderheuschrecke in den südrnssischen Steppen. 
Es gibt in den südrussischen Steppen hauptsächlich zwei Arten von 
Wanderheuschrecken, eine kleine, vier Centimeter lange und eine große von 
fünf Centimeter Länge. Beide sind gleich gefräßig und gleich gefürchtet, 
und beide entstehen aus Eiern, welche das Weibchen im August und 
September in die lockere Erde legt. Die Eier sind weiß, an Form und 
Größe denen der Ameisen ähnlich und alle mit einer weißen, klebrigen 
Masse zu einem Haufen oder Neste zierlich verbunden. Sie liegen den 
ganzen Herbst und Winter über bis spät in den Frühling, wo dann zu 
Ende April oder Anfang Mai die Jungen hervorkriechen. Diese haben 
anfangs keine Flügel, sogleich aber rasche Füße zum Marschieren. In 
den ersten Tagen nähren sie sich still in ihrer Nachbarschaft, bald aber 
gewinnen sie an Stärke und an Zahl, und es stoßen Haufen zu Haufen. 
Sie fressen ihre Umgebung — vielleicht ein ödes, grasreiches Steppen 
feld, wo niemand sie bemerkte und störte — kahl, oder sie werden aus 
den Gärten verscheucht und begeben sich nun auf die Wanderung. Die 
Tiere gehen immer in einem geraden Striche und lassen sich durch nichts 
aufhalten. Der Marsch dieser kriechenden, jungen Heuschreckenheere ist 
noch viel gefürchteter als der Flug der alten. Denn einerseits ist es 
nicht möglich, sie aufzuscheuchen, andererseits fressen sie weit gieriger noch 
als die alten, da sie zu ihrem Wachstnme weit mehr bedürfen, endlich 
fallen ihre Wanderungen gerade in die schönste Zeit der jungen Frucht 
und des jungen Grases, das sie ganz mit Stumpf und Stiel wegfressen. 
Jedoch bleiben sie nur in kleinen Bezirken und kommen nicht weit; denn 
ein großes Heer kann in einem Tage kaum mehr als zwei Werste*) von 
der Stelle kommen. In drei bis vier Wochen sind die jungen Heu 
schrecken völlig ausgewachsen, haben nach vier bis fünf Wochen auch 
vollkommen ausgebildete Flügel erhalten und fangen alsdann an, sich zu 
erheben. Sie schwärmen nun durch das Land hin und her, sowohl im 
Juli als auch im August, ja bis in den September hinein. In der
	        

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