Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

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die besten an den Jäger selbst 1 bis 2 Mark, bekommt sie aber im 
Tauschhandel gegen europäische Ware uitb Kleidungsstücke viel wohlfeiler. 
An den Grenzen hin findet man fast bei jedem Kolonisten einen Vorrat 
davon, und wenn sie ihren Gastfreunden Geschenke machen wollen, so 
sind es fast allemal Straußenfedern. — Die Weibchen unter den Straußen 
sind ganz schwarz oder in jüngeren Jahren dunkelgran und haben im 
Schweife keine weißen Federn. Wenn man indessen nicht auf die Farbe 
sieht, so sind ihre Schwanzfedern ebenso groß und schön wie die der 
Männchen. 
69. Das Grab im Busento. 
1. Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder; 
aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wieder. 
2. Und den Fluß hinauf, hinunter ziehn die Schatten tapfrer Goten, 
die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten. 
3. Allzufrüh und fern der Heimat mußten hier sie ihn begraben, 
während noch die Jugendlocken seine Schultern blond umgaben. 
4. Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette; 
um die Strömung abzuleiten, gruben sie ein frisches Bette. 
5. In der wogenleeren Höhlung wühlten sie empor die Erde, 
senkten tief hinein den Leichnam mit der Rüstung auf dem Pferde — 
6. Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe, 
daß die hohen Stromgewächse wüchsen aus dem Heldengrabe. 
7. Abgelenkt zum zweitenmale, ward der Fluß herbeigezogen; 
mächtig in ihr altes Bette schäumten die Busentowogen. 
8. Und es sang ein Chor von Männern: „Schlaf in deinen Heldenehren! 
Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren!" 
9. Sangen's, und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere. 
Wälze sie, Bnsentowelle, wälze sie von Meer zu Meere! 
v. Platen. 
76. Freundschaft. 
Wenn jemand schlecht von deinem Freunde spricht, und scheint er 
noch so ehrlich, glaub ihm nicht! Spricht alle Welt von deinem Freunde 
schlecht: mißtrau der Welt und gib dem Freunde recht! Nur wer so 
standhaft seine Freunde liebt, ist wert, daß ihm der Himmel Freunde gibt. 
Ein Freundesherz ist ein so seltner Schatz, die ganze Welt beut nicht 
dafür Ersatz; ein Kleinod ist's voll heil'ger Wnnderkraft, das nur bei 
festem Glauben Wunder schafft — doch jedes Zweifels Hauch trübt seinen 
Glanz, einmal zerbrochen, wird's nicht wieder ganz. Drum wird ein 
solches Kleinod dir beschert, o, trübe seinen Glanz nicht, halt es wert! 
Denn würdest du dem ärmsten Bettler gleich, bleibt dir ein Freundesherz, 
so bist du reich; und wer den höchsten Königsthron gewann und keinen 
Freund hat, ist ein armer Mann. Badenstedt. 
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