Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

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später gelegten Eier liegen unordentlich um das Nest herum und scheinen 
von der Natur dazu bestimmt, die Raubsucht der oben genannten Feinde 
zu befriedigen, denen sie lieber die frischen Eier als die schon bebrüteten 
preisgeben" will. Indessen haben sie noch eine wichtigere Bestimmung, 
die nämlich, den jungen Straußen, die gleich, wenn sie ausgekrochen sind, 
die Größe eines gewöhnlichen Huhnes haben, und deren zarte Magen 
noch nicht gleich das harte Futter der Alten vertragen, zur ersten Nahrung 
zu dienen. Die Alten selbst zertreten ihnen eins dieser Eier nach dem 
andern und bringen sie durch dieses nahrhafte Futter in kurzem so weit, 
daß sie selbst im stände sind, sich im Felde ihre Nahrung zu suchen. 
Die Vermehrung der Strauße würde außerordentlich sein, wenn sie nicht 
eine so große Menge von Feinden hätten, die besonders von den Jungen 
so viele vertilgen. 
Der Strauß ist ein sehr kluges Tier, dem im offenen Felde nicht 
leicht beiznkommen ist, weil er sehr weit hin sieht und gleich die Flucht 
ergreift, sobald er Gefahr vermutet. Besonders sorgfältig suchen die 
Sträuße den Ort zu verheimlichen, wo sie ihr Nest angelegt haben. Sie 
laufen nie gerade zu, sondern Pflegen es erst in weiten Bogen zu um 
kreisen, wogegen nach den Quellen, aus welchen sie zu trinken pflegen, 
immer gerade Bahnen getreten sind, die in den unbewohntesten Gegenden 
oft auf die Vermutung führen, es seien Fußsteige von Menschen. Sobald 
sie bemerken, daß ihr Nest entdeckt ist, und daß ein Mensch oder ein 
Raubtier dabei gewesen ist und die Lage der Eier verändert oder wohl 
gar davon mitgenommen hat, zerstören sie es augenblicklich selbst und 
legen an einem' andern Orte ihr Nest an. Wenn daher die Kolonisten 
ein Nest finden, Pflegen sie sich mit einem oder einigen der noch umher 
liegenden, noch nicht bebrüteten Eier zu begnügen, scharren mit einem 
Strauche sorgfältig die Spur ihrer Fußtritte wieder zu und können aus 
diese Art ein solches Nest zu einer wahren Vorratskammer eines sehr 
angenehmen Nahrungsmittels machen, aus welcher alle zwei bis drei 
Tage soviel geholt werden kann, als die Haushaltung davon bedarf. 
Ein Straußenei wiegt gewöhnlich nahe an drei Pfund und wird im 
Durchschnitt 24 Hühnereiern gleich geschätzt. Der Dotter ist sehr schmack 
haft, bat aber doch nicht den feinen Geschmack des Hühnereies. Er ist 
dabei so nahrhaft und sättigend, daß man nicht viel davon genießen kann. 
Es gehören schon vier sehr hungrige Personen dazu, um eiu ganzes 
Straußenei zu verzehren, unb dann müssen es noch echte Afrikaner sein, 
die an so derbe Kost gewöhnt sind. Die Straußeneier hallen sich lange 
frisch und werden oft nach der Kapstadt gebracht, wo man ein bis zwei 
Mark für das Stück zu bezahlen pflegt. In den Wintermonaten Juli, 
August, September findet man die Straußennester am häufigsten, und 
dann taugen die Federn, die ans der Erde abgestoßen und beschädigt 
werden, am wenigsten. Indessen werden zu allen Jahreszeiteil Nester und 
bebrütete Eier gefunden, wie denn überhaupt bei dem wenig bemerkbaren 
Wechsel der Jahreszeiten in diesem Lande die Lebensart aller Tiere 
weniger Regelmäßigkeit hat als in Europa. Ein Straußenei wird 36 
bis 40 Tage bebrütet, ehe das Junge auskommt. 
Nur das Männchen liefert die schönen, lveißen Federn, die schon seit 
langer Zeit als Kopfputz unserer Damen beliebt sind. Man bezahlt für
	        

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