Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

5. An dem Himmel 
strahlt die Sonn' im Brautgeschmcide; 
weiße Wölklein steigen anst 
ziehn dahin im stillen Laust 
Gottes Schäflein gehn zur Weide. 
! 
6. Herzensfrieden! 
Woll' ihn Gott uns allen geben! 
0, dann ist die Erde schön! 
In den Gründen, auf den Höh'n 
wacht und fingt ein frohes Leben. 
9. Gut Gewissen! 
Wer es hat, und 
in den Blitz vom 
schaut er und erl 
wenn der Grund 
7. Schwarze Wetter 
überziehn den Himmelsbogen, 
und der Vogel singt nicht mehr. 
Winde brausen hin und her, 
und die wilden Wasser wogen. 
8. Rote Blitze 
zucken hin und zucken wieder, 
leuchten über Wald und Flur, 
bange harrt die Kreatur; 
Donnerschläge stürzen nieder. 
wer's bewachet, 
Weltgericht 
ebet nicht, 
der Erde krachet. Hebel. 
56. Das Gewitter. 
1. Eine heitere Stille, ein klarer Himmel, ein frohes Leben in der 
Natur herrscht am frühen Morgen. Es grünt und blüht, es rauscht und 
rieselt, es singt und hüpft. Jst's doch so, als ob die Schöpfung einen 
schönen Festtag feiern wollte, an dem sich der Mensch mit Vernunft und 
Gefühl am herzlichsten freuen soll. Die unermeßliche Bläue des Äthers 
überzieht ein durchsichtiger Wolkenflor. Bald steigen dickere Wolken am 
Horizonte herauf, erheben sich immer mehr, gleichen übereinander ge 
lagerten Gebirgsmassen, mannigfaltig gestaltet, gräulich, düster, hell gefärbt. 
Durch sie, wie durch einen Schirm, werden die Strahlen der Sonne ge 
hemmt; das Tageslicht verliert seine Helle; es wird trübe und dunkler. 
2. In der dunkeln Wolke blitzt es; sie wird plötzlich erleuchtet. Ein 
schwaches Donnern wird gehört, das lauter schallt, je näher das Gewitter 
kommt. Schwül ist die Luft. Regenwolken senken sich in der Ferne 
nieder. Plötzlich bricht der Sturm los; er braust und saust; er führt 
Staubwolken in die Luft empor; Seeen und Ströme schlagen Wellen; das 
Wasser schäumt; die Wipfel der Bäume schwanken hin und her. Die 
Tiere des Landes, die Vögel verbergen sich und suchen Schutzorte gegen 
das nahe Ungewitter. Selbst der Mensch kann nicht ohne Furcht sein. 
Er fragt: Wen wird der flammende, das Leben im Nu zerstörende Strahl 
treffen? Auf welche Wohnung wird er niederfahren, zünden und sie in 
einen Aschenhaufen verwandeln? Kann nicht ein Wolkenbruch, ein Platz 
regen eine verheerende Überschwemmung anrichten? Wird nicht der Hagel 
die Früchte des Feldes niederschlagen? Leben, Gesundheit und Eigentum 
stehen auf dem Spiele. Wird es gerettet, wird es vernichtet werden? — 
Diese Frage kann niemand beantworten. 
3. Das Herz bebt. In schlängelndem Fluge und mit unglaublicher 
Geschwindigkeit fährt der Blitz durch die finsteren, den Niederstnrz drohen 
den Wolkenberge. Bisweilen, doch nicht oft, fährt dieser Feuerstrahl zur 
Erde nieder. Auf ihn folgt sogleich in den Höhen des Wolkenmeeres ein 
Krachen, ein Schlag, der alles erschüttert, ein Knall, ein lautes, sich in
	        

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