Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

50. Die Giftpflanzen. 
Giftige Erzeugnisse gibt es in allen drei Naturreichen. Wer hätte 
nicht schon von giftigen Schlangen gehört, deren Biß oft in wenigen 
Minuten tötet? Doch sind böse Gäste dieser Art, gottlob! bei uns nicht 
häufig. Das Mineralreich liefert den schrecklichen Arsenik, aber der wird 
in der Regel in den Apotheken wohl verwahrt. Das Pflanzenreich da- 
gegen hat sein Gift so offen ausgestellt in Gärten, ans Wiesen, in 
Wäldern, daß Belehrung darüber und Warnung davor gar not thut. 
Obenan steht unter den Giftpflanzen der Schierling, wovon es 
drei Arten gibt. Der kleine Schierling, auch Gleiße oder 
Hundspetersilie genannt, wächst vorzüglich häufig in Gärten und 
sieht der Petersilie sehr ähnlich, ist aber geruchlos und leicht an dem 
runden, hohlen Stengel, an den kleineren, nnterseits glänzenden Blättern, 
sowie an der weißen Blüte und an den herabhängenden Hüllblättchen 
unter den Döldchen zu erkennen. Der gefleckte Schierling zeichnet 
sich vor jenem durch blutrot gefleckte Stengel, durch Hüllen an den 
Dolden und durch seinen widrigen Geruch aus. 
Am gefährlichsten ist der Wasserschierling. Man findet ihn 
am häufigsten in Gräben und Teichen und auf bemoostem Sumpfboden. 
Seine zum Teil hohle Wurzel hat einige Ähnlichkeit mit dem Wurzelkopfe 
des Sellerie und ist durch Querwände in mehrere Fächer geschieden, in 
denen sich ein äußerst giftiger, schnelltötender Saft befindet. Anfangs 
treibt die Wurzel große, gefiederte Blätter, dann aber einen 1—VI2 m 
hohen, am Grunde rot überlaufenen Stengel. Dieser besteht ans inwendig 
hohlen Gelenkstücken, die am Knoten durch eine mehr oder weniger durch 
brochene Querwand getrennt sind. Aus den obern Knotenabsätzen des 
Stengels wachsen viele Nebenzweige , welche ihm ein gabeliges Ansehen 
geben. Die Stengelblätter sind zwei- bis dreifach gefiedert. Vom Juli 
bis zum Oktober entwickeln sich am Ende der Zweige die weißen Blüten 
mit fünfblätterigen Blnmenkronen in großen Dolden. Die Frucht besteht 
aus zwei breiten, rundlichen Teilfrüchtchen, von denen jedes ein besonderes 
Samenstielchen hat. 
Gleiche Beachtung erfordern das Bilsenkraut und der Stech 
apfel. Das Bilsenkraut treibt ans einer rübenförmigen Wurzel 
einen 30—50 cm hohen, krautigen Stengel und fiederspaltige Blätter, 
von denen die obern den Stengel halb umfassen, die untern aber gestielt 
sind. Die Pflanze ist überall mit feinen, weichen, weißlichen uiib klebrigen 
Haaren dicht besetzt und hat einen ekelhaften Geruch. Vom Mai bis in 
den August trägt sie in den Blattwinkeln ihres Gipfels einzelnstehende, 
schmutziggelbe Blumen. Die Frucht ist von der Größe einer kleinen Eichel 
und hat die Gestalt eines Trinkglases mit einem Deckel, der bei der Reife 
abspringt. Die nun sichtbaren, sehr giftigen Samenkörner werden nicht 
selten mit Mohnsamen verwechselt und gegessen. — Der Stechapfel 
hat weiße, trichterförmige Blumenkronen. Die einer Roßkastanie ähnliche, 
stachelige Kapsel springt in vier Klappen auf und enthält viele schwarz- 
braune Samen. Der gegen VU m hohe, hohle und ästige Stengel, 
sowie die wechselständigen Blätter kündigen sowohl durch Geruch als 
Geschmack das starke Gift an, das die ganze Pflanze, besonders aber der 
Samen, enthält.
	        

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