Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

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Tage nach dieser Häutung zum zweiten- und 7—8 Tage nach dieser zum 
drittenmale. Endlich, 5 Tage nachher, erfolgt die letzte Häutung, und 
5—8 Tage nach dieser fangen sie an, sich einzuspinnen, was sie vorher 
dadurch zu erkennen geben, daß sie nicht mehr fressen, sondern mit Fäden 
im Maule und mit aufgerichtetem Halse unruhig umherlaufen, um einen 
Ort zu suchen, an dem sie die Fäden befestigen können. Hat die Raupe 
endlich diesen Ort, nämlich dürre Ruten oder Büschel von Birken- oder 
andern Reisern, gefunden, so klebt sie zwei sehr kleine Tröpfchen eines 
klebrigen Saftes an die Ruten, bewegt, den Kopf hin und her und bringt 
so zwei sehr dünne Fäden ans den Öffnungen heraus, die sie geschickt 
mit den beiden Vorderfüßen zu verbinden weiß. Zuerst spinnt sie nur 
ein unordentliches, nnzusammenhängendes Gewebe. Den zweiten Tag 
zieht sie die Fäden um sich herum und bildet einen eigentlichen Kokon, in 
dessen Mitte sie sich befindet, und der ist es, welcher die feine Seide 
gibt. Der ganze Kokon besteht aus einem einzigen, 300—400 m 
langen Faden. Ungefähr nach drei Wochen, gewöhnlich des Morgens 
zwischen 5 und 8 Uhr, kommt der Schmetterling ans seiner nackten, 
dunkelbraunen Puppe hervor, nachdem er zuvor den Kokon durchweinen 
rötlichen Saft angefeuchtet und sich dann erst durch die erweichte Stelle 
durchgebohrt hat. 
Der Seidenbau breitet sich jetzt in Deutschland, wo er freilich große 
Mühe und Sorgfalt erfordert und auch nur in Zimmern getrieben werden 
kann, immer mehr aus. Das erste Erfordernis ist, immer gutes Futter für 
die Raupen zu haben, und da sie bei keinem Futter so gut gedeihen als 
bei den Maulbeerblüttern, so mich derjenige, welcher den Seidenbau ins 
Große treiben will, notwendig erst Maulbeerbäume pflanzen. 
Reichenbach.
	        

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