Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

die Eier des gefährlichen Föhrenspinners verzehren, während sie 
der haarigen Raupe nicht beikommen können. Das Weibchen 
dieses Spinners legt oft zweimal im Sommer 000 bis 800 Eier, 
und eine Meise verzehrt mit ihren Jungen mehrere Tausende der 
selben an einem Tage. Wo solche Spinner sich ausbreiten, da 
stellen sich auch, wenn sie nicht durch deu Unverstand der Menschen 
verscheucht werden, die Goldhähnchen ein und durchsuchen Winter 
und Sommer die Bäume. Oft kommen ihnen die Spechtmeisen und 
Baumläufer nach, welche die Insektenbrut höchst geschickt aus 
den tiefen Rindenritzen hervorholen. Selbst die Sperlinge ver 
dienen mehr Schonung, als ihnen in der Regel gewährt wird. 
Ein einziges Pärchen trägt seinen Jungen in der Woche durch 
schnittlich 2000 Raupen zu. Wenn man bedenkt, welchen Nutzen 
sie dadurch stiften, so kommt das Pfund Kirschen, die Kanne 
Getreide, die ihnen vielleicht geopfert werden muss, dagegen gar 
nicht in Betracht. 
Wo Maikäfer häufig vorkommen, da leisten die Stare, Dohlen, 
Saatkrähen, Häher und Würger treffliche Dienste. Die meisten 
kleineren Vogel nähren sich ganz oder teilweise, entweder das 
Jahr hindurch, oder doch während der Brutzeit, von Insekten, 
Würmern, Schnecken, Spinnen u. s. w.; so die Grasmücken, Würger, 
Fliegenschnäpper, Drosseln, Rohrsänger, Bachstelzen, Goldhähnchen, 
Steinschmätzer, Meisen, Pieper, Lerchen, Zaunkönige, Buchfinken, 
Goldammern, Schwalben, Baumläufer, Nachtigallen. Alle diese 
vertilgen Millionen von Raupeneiern, Raupen, Fliegen, Mücken, 
Käfern, Ameisen, Blattläusen, Würmern, und zwar in wunderbarer 
Verteilung der Arbeit, die ihnen im Haushalte der Natur zuge 
wiesen ist. Einige suchen mehr diese, andere jene Arten von 
Ungeziefer; einige vertilgen dasselbe vorzugsweise an diesen, andere 
an jenen Orten; einige sind befähigt, es von den Blättern und 
Zweigen abzusuchen, andere, es aus der Baumrinde zu bohren, 
und andere, es in der Luft abzufangen oder aus der Erde zu 
scharren. 
So sind die Vögel des Landwirts treueste Verbündete; ohne 
die Hilfe und Unterstützung der Vögel wäre es überhaupt unmöglich, 
Landbau zu treiben, da der Pflanzen wuchs nur durch sie gegen 
die Verheerungen der Insekten geschützt wird. Daher sollte jeder, 
der nur irgend einen Fleck Erde bebaut, mit allen ihm zu Gebote 
stehenden Mitteln die nützlichen Tierchen an sein Grundstück zu 
fesseln suchen. Vor allem darf man sie selbst und ihre Brut nicht 
verfolgen. Die kleinen Wesen sind klug genug, um zu wissen, 
wo sie am sichersten nisten können, wo sie am wenigsten mörderische 
Gewehre, Schlingen und Fallen zu fürchten haben; und wer Auge 
und Ohr für das Leben der Natur hat, der kann es auf den 
Feldern und in den Gärten wahrnehmen, am Gesänge und Ge 
zwitscher der Vögel heraushören, in welcher Gemeinde die Er 
wachsenen verständiger, die Jungen gesitteter sind; denn wo man 
die Vögel schont, da werden sie zahlreicher ihr fröhliches Liedchen 
anstimmen und durch Vertilgung des verderblichen Ungeziefers
	        

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