Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

SchwarzwaldeHammerwerke, Glashütten, Pech- und Teersiedereien, beson 
ders aber viele Sägemühlen. Die Wohnungen von Holz liegen in den 
wildschönen Thälern zerstreut umher und sind mit Stroh oder Schindeln 
gedeckt. Die Stuben zu ebener Erde sind schwarz getäfelt, mit vielen 
Fenstern versehen, ohne jedoch viel Licht zu haben wegen der weit hervor 
springenden Dächer. Zn den Schlafgemächern führen Gänge von außen. 
Unter diesen Gängen, draußen am Hause, liegt der Holzvorrat. Ans der 
Hinterseite senkt sich das Dach bis auf den erhöhten Boden, so daß man 
wie über eine Brücke nach der Tenne der Scheune fährt und über den 
Köpfen von Menschen und Tieren drischt. Keine Hütte ist ohne plätschern 
den Brunnen, und nicht selten steht eine kleine Kapelle daneben mit einem 
Glöckchen zum Morgen- und Abendgebete. Kutzner. 
27. Mummelsees Rache. 
1. Glatt ist der See, stumm liegt die Flut, 
so still, als ob sie schliefe, 
der Abend ruht wie dunkles Blut 
rings auf der finstern Tiefe. 
Die Binsen im Kreise nur leise 
flüstern verstohlener Weise: 
2. „Wer schleicht dort ans dem Tannenwald mit scheuem Tritte her? 
Was schleppt er in dem Sacke so mühsam und so schwer?" 
— Das ist der rote Dieter, der Wilderer benannt, 
dem Förster eine Kugel hat er durchs Herz gebrannt; 
jetzt kommt er, in den Wogen den Leichnam zu versenken, 
doch unser alte Mummler läßt so was sich nicht schenken. 
3. Der Alte hat gar leisen Schlaf, ihn stört sogar ein Stein, 
den man vielleicht ans Unbedacht ins Wasser warf hinein; 
dann kocht es in der Tiefe, Gewitter steigen auf, 
und flieht nicht gleich der Wandrer mit blitzgeschwindem Lauf, 
so muß er in der Tiefe als Opfer untergehen, 
kein Auge wird ihn jemals auf Erden wiedersehen. 
4. Da steht der Frevler an dem See, wirft seine Bürde ab 
und stößt hinab mit einem Fluch den Sack ins nasse Grab: 
„Da, jage du nun Fische, da drunten in dem See, 
jetzt kann ich ruhig jagen im Forste Hirsch und Reh, 
kann mich nun ruhig wärmen an deines Holzes Gluten, 
du brauchst ja doch kein Feuer da drunten in den Fluten." 
5. Er spricht's und will zurück, doch hält ein Dorngestrüpp ihn an, 
und immer fester zerrt es ihn mit tausendfachem Zahn; 
da kocht es in der Tiefe, Gewitter steigen auf, 
dumpf rollt ob dem Gebirge der Donner seinen Lauf; 
der See steigt übers Ufer, es glühn des Himmels Flammen, 
und hoch schlägt überm Mörder die schwarze Flut zusammen. 
6. Stumm liegt der See, als ob die Glut 
der Rache wieder schliefe. 
Glatt ist die Flut, im Monde ruht 
die unermess'ne Tiefe, — 
die Binsen im Kreise nur leise 
flüstern verstohlener Weise. 
Schnezler.
	        

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