Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

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4. Und ist verweht auch jede Spur, 
zeigt nichts sich deinem Blick, dem nassen, 
als grün herast ein Hügel nur 
von allem, was du einst verlassen — 
5. 0, nirgend weint es sich so gut, 
wie weit dich deine Füsse tragen, 
als da, wo still ein Herze ruht, 
das einstens warm für dich geschlagen. Träger. 
26. Der Schwarzwald und seine Bewohner. 
Der Schwarzwald stellt sich als eine zusammenhängende Bergmasse 
dar, woraus mehrere bedeutende Kuppen hervorragen. Den Namen führt 
er vom dunkelgrünen Nadelholz, womit Hänge und Kronen reichlich 
bewachsen sind. Der Hauptknoten, von welchem Äste nach allen Richtungen 
sich ausstrecken, ist in der Nähe der Kinzigquelle. Dieser Hauptknoten 
und alles südlich davon gelegene Gebirge heißt der Oberschwarzwald, alles 
nördliche heißt der untere. — Unter den Thälern des Schwarzwaldes ist das 
der Murg das schönste, und das der Dreisam oberhalb Freiburg das wildeste. 
Am Neckar hinab verlieren sich die Berge in hochgelegene Hügelstriche, 
und zwischen Neckar und Donau ändert sich bald der Name des Gebirges 
in den der rauhen Alp. Aber gleich den an der anderen Seite des 
Rheines gelegenen Vogesen fällt der SchwarMrld am kürzesten und steilsten 
ins Rheinthal ab. Hier ist auch seine schönste Seite, denn es verwandelt 
sich schnell das waldige Gebirge in sanfte Traubenhügel, und an den 
Weizen- und Spelzgefilden stehen mächtige Nuß- und andere Obstbäume; 
ja, Mandeln und süße Kastanien sieht man an den warmen unteren 
Abhängen der Berge, während im Schwarzwalde selbst die Kirsche erst 
im September zeitigt und auf mancher Strecke kaum Hafer, Kartoffeln 
und Wicken gedeihen. Der Markgräfler, der beste Wein Hierselbst, wächst 
am Abhange des südwestlichen Bergstriches. Die durchschnittliche Höhe 
des Schwarzwaldes beträgt 600 bis 1000 Meter; der höchste Punkt ist der 
Feldberg, welcher 1500 Meter hoch ist. 
Eigentümlich in Sitte, Sprache und Gestalt, bewohnen verschiedene 
Völkerschaften die Rheinebene. Vor allem birgt der Schwarzwald ein 
kräftiges, gesundes, wackeres Volk von Hirten, Holzhauern, Flößern, Acker 
bauern, das alte Sitte, alte Kühnheit sich erhalten hat. Riesenhohe Tannen 
und Fichten flößt der Schwarzwäldler auf seinen Gebirgsbächen hinunter 
znm Neckar und Rhein, ans dem sie in große Flöße verbunden werden, 
so groß, daß oft vierzig Menschen auf denselben sind, um sie mit Rudern 
und Stangen zu regieren. Mit dem breitkrämpigen Hute, der roten Weste 
und den weißen Hemdsärmeln stehen diese kräftigen Gebirgssöhne in langer 
Reihe auf dem schwimmenden Walde und lassen ihn im taktmäßigen 
Ruderschlage nach den Niederlanden hinabgleiten, um reichen Städten feste 
Untersage, schwellenden Segeln Stütze zu gewähren. Für Holz tauscht 
der Schwarzwäldler das Brotkorn ein, das ihm sein Boden auf den 
Bergeshöhen verweigert. Seine Holzschnitzereien, Uhren .und Strohhüte 
sind durch ganz Deutschland bekannt. Man findet überdies auch im
	        

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