Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

7. Ich hob ihn flugs auf meinen Schimmel — er hätt' es auch 
gethan — und trug ihn sanft aus dem Getümmel zu einem Edelmann. 
8. Ich Pflegte sein. Vor seinem Ende reicht' er mir all' sein Geld 
und diesen Kopf, drückt' mir die Hände und blieb im Tod noch Held. 
9. Das Geld mußt du dem Wirte schenken, der dreimal Plündrung 
litt, so dacht' ich, und zum Angedenken nahm ich die Pfeife mit. 
10. Ich trug auf allen meinen Zügen sie wie ein Heiligtum, wir 
mochten weichen oder siegen, im Stiefel mit herum. 
11. Vor Prag verlor ich auf der Streife das Bein durch einen 
Schuß; da griff ich erst nach meiner Pfeife und dann nach meinem Fuß." 
12. „Ihr rühret, Freund, mich bis zu Zähren, o sagt, wie hieß der 
Mann? damit auch mein Herz ihn verehren und ihn beweinen kann." 
13. „Man hieß ihn nur den tapfern Walter, dort lag sein Gut am 
Rhein." — „Das war mein Ahne, lieber Alter, und jenes Gut ist mein! 
14. Kommt, Freund, ihr sollt bei mir nun leben, vergesset eure 
Not; kommt, trinkt mit mir von Walters Reben und eßt von Walters 
Brot!" 
15. „Nun topp! Ihr seid sein wackrer Erbe! Ich ziehe morgen ein, 
und euer Dank soll, wenn ich sterbe, die Türkenpfeife sein." Pfeffel. 
141. Die Schlacht bei Leuthen. 
Friedrich eilte nach Schlesien, wo der Herzog Karl von Loth 
ringen inzwischen mit seiner überlegenen Macht große Fortschritte ge 
macht hatte; die wichtige Festung Schweidnitz war in die Hände der 
Österreicher gefallen, der Herzog von Bevern geschlagen worden, und selbst 
die Hauptstadt Breslau.chatte sich dem Feinde ergeben. Schlesien 
schien verloren, wenn die Österreicher den Winter über dort bleiben 
konnten. Da eilte Friedrich mit 14000 Mann aus Sachsen herbei, 
vereinigte diese mit den 16000 Mann, welche von dem geschlagenen Heere 
des Herzogs von Bevern übrig waren, fest entschlossen, die Feinde anzu 
greifen, wo er sie nur fände, „und wäre es," wie er sagte, „hoch auf 
dem Zobtenberge." Bei Leuthen, zwischen Breslau und Neumarkt, 
stieß er auf den Feind. Der Herzog Karl, an der Spitze von 80 bis 
90000 Mann, sah mit Geringschätzung auf die kaum 30000 Mann 
zählende preußische Armee, die er spöttisch „die Berliner Wachtparade" 
nannte. Friedrich aber berief seine Generale und Offiziere zusammen, 
schilderte in begeisterter Rede die Größe der Gefahr, in welcher das 
Vaterland schwebte, und bei welcher er nur von ihrem Mute, ihrer Stand 
haftigkeit und Vaterlandsliebe die Rettung erwarten könne. „Ich werde 
gegen alle Regeln der Kunst," fügte er dann hinzu, „die beinahe dreimal 
stärkere Armee des Prinzen Karl angreifen. Es ist hier nicht die Frage 
von der Anzahl der Feinde, noch von der Wichtigkeit ihrer Stellung: 
alles dies, hoffe ich, wird die Herzhaftigkeit meiner Truppen und die 
richtige Befolgung meiner Anordnungen zu überwinden suchen. Ich muß 
diesen Schritt wagen, oder es ist alles verloren; wir müssen den 
Feind schlagen oder uns alle vor seinen Batterieen be 
graben lassen. So denke ich, — so werde ich handeln. Machen Sie 
diesen meinen Entschluß in der Armee bekannt, bereiten Sie den gemeinen
	        

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