Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

143 
eine fromme, sehr kluge Frau, deren gesunder Blick und heller 
Verstand ihm so unentbehrlich geworden waren, dass er oft aus 
der Ministersitzung zu ihr eilte, um mit ihr die schwebenden Fragen 
zu besprechen. Nach ihrem Tode rief er schmerzlich aus: „0, 
Luise, wie vermisse ich dich! Nun ist die Sonne meines Hauses 
erloschen!“ 
Friedrich Wilhelm hinterliess seinem Sohne und Nachfolger 
Friedrich III. ein blühendes Land, ein tüchtiges Heer und einen 
gefüllten Staatsschatz. Kurz vor seinem Ende sprach er zu jenem: 
„ Mein Ziel war darauf gerichtet, mein Haus in Ruf, Flor und An 
sehen zu bringen. Ich zweifle nicht, mein Sohn, du werdest in 
den Grundsätzen, wodurch ich den Staat glücklich beherrschte, 
mein Nachfolger sein, vor allen Dingen Gott vor Augen haben, 
deine Unterthanen herzlich lieben, treue Räte hören und das Heft 
der Waffen nicht aus den Händen lassen. Denn dadurch muss 
nächst göttlicher Hilfe die Sicherheit deiner Länder und der so 
sauer erworbene Ruhm des Kurhauses Brandenburg hauptsächlich 
aufrecht erhalten werden. Mit allem Fleiss sei darauf bedacht, 
den Ruhm, welchen ich dir als Erbteil überlasse, zu wahren und 
zu mehren!“ 
Er starb, 68 Jahre alt, am 29. April 1688, nach 48 jähriger 
Regierung mit den Worten: „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt!“ 
Am Z. Januar 1750, 62 Jahre nach Friedrich Wilhelms Tode, 
stand in der Gruft der neuen Domkirche zu Berlin an dem offenen 
Sarge des grossen Kurfürsten der grosse König, sein Ur 
enkel Friedrich II., der aus seiner Asche erstandene Rächer 
an Österreich. Mit grosser Rührung betrachtete er die irdischen 
Überreste seines grossen Ahnen. Durch die Thränen, die über 
seine Wangen rollten, blitzte die Begeisterung, das Bewusstsein 
seiner Macht und seines Geschlechts. Er ergriff die Hand des 
Toten und sprach zu seinen Begleitern: 
„Messieurs, der hat viel gethan für Preussen!“ 
Nach Stahlberg, Andrä, Dietlein u. a. 
137. Zu Straßburg auf der Schanz'. 
1. Zu Straßburg auf der Schanz', 
da ging mein Trauern an; 
das Alphorn hört' ich drüben wohl an 
stimmen, 
ins Vaterland mußt' ich hinüber 
schwimmen, 
das ging nicht an. 
2. Ein' Stund' in der Nacht, 
sie haben mich gebracht; 
sie führten mich gleich vor des Haupt 
manns Haus, 
ach Gott! sie fischten mich im Strome auf, 
mit mir ist's aus. 
3. Früh morgens um zehn Uhr 
stellt man mich vor das Regiment; 
ich soll da bitten um Pardon, 
und ich bekomm' gewiß doch meinen 
Lohn, 
das weiß ich schon. 
4. Ihr Brüder allzumal, 
heut seht ihr mich zum letztenmal; 
der Hirtenbub' ist doch nur schuld 
daran, 
das Alphorn hat mir solches angethan, 
das klag' ich an. 
Volkslied.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.