Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

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kommt und selbst in Europa bei Gibraltar verwildert lebt, ist nur ge 
schickt zu allerlei Gaukelküusten. Nicht nur, daß er, auf Kamelen und 
Bären sitzend, durch seine Grimassen und Neckereien den Haufen der Zu 
schauer ergötzt, sondern er läßt sich auch mit Hunden gemeinschaftlich zum 
Seiltanzen und zu lächerlichen Komödien abrichten, wobei er menschliche 
Anzüge trägt. Da er das europäische Klima am besten erträgt, so ist er 
seit alten Zeiten bekannt, und die meisten Streiche, welche von Affen er 
zählt werden, gelten eigentlich von ihm. Sein Gesicht hat übrigens sehr 
wenig Menschliches und nähert sich schon den hundeartigen Pavianen; 
auch hat er wie sie Gesäßschwielen, aber nur einen unmerklichen Schwanz. 
Die abscheulichsten unter den Affen sind indessen ohne Zweifel die schon 
erwähnten Paviane und unter diesen obenan der Mandril. Seine hoch 
rote Nase und grell blauen Backen und sein ähnlich gefärbtes Gesäß stechen 
gegen die schmutzigen und verworrenen Haare des Körpers unheimlich ab, 
und seine dicht beisammen stehenden, heimtückischen Augen verraten schon, 
was man von ihm zu erwarten hat. Dabei besitzt er das Gebiß und 
die Stärke eines Wolfes, und die Tierführer haben mit ihm gewöhnlich 
am meisten zu schaffen. Selbst der Tiger faßt eher Zutrauen zu seinem 
Wärter als der Mandril. Bei den Meerkatzen und den übrigen lang- 
schwänzigen Affen ist der Wickelschwanz das Merkwürdigste, worin sie 
nicht bloß eine ungemeine Stärke, sondern auch ein feines Gefühl besitzen. 
Er ist ihnen eine fünfte Hand, denn sie hängen sich daran fest und 
schwingen sich von Ast zu Ast. Ja, bei manchen Arten geht dies so weit, 
daß sich zwei, drei unb mehr Affen mit den Schwänzen aneinander 
hängen und so eine Kette bilden. Der unterste setzt diese in Schwung, 
bis er den gewünschten Ast erreicht, woran er sich fest hält und dann die 
anderen nachzieht. 
An Größe und Körperfülle stehen die amerikanischen Arten dieses 
menschenähnlichen Tiergeschlechts den asiatischen und afrikanischen im all 
gemeinen nach. Aber an Rührigkeit, Regsamkeit und Schlauheit thun sie 
es wenigstens den letztgenannten zuvor Während die Affen der alten 
Welt zum Teil auf der Erde wohnen, scheinen die amerikanischen vorzugs 
weise auf die dichten Urwälder dieses fruchtbaren Weltteiles angewiesen 
zu sein. Nach Curtnian, Walter u. A. 
120. Der Wald. 
Wo wohnt der liebe Gott? 
Hinaus tritt in den dunkeln Wald, 
die Berge sieh zum Himmel gehn, 
die Felsen, die wie Säulen stehn, 
der Bäume ragende Gestalt; 
horch, wie es in den Wipfeln rauscht, 
horch, wie's im stillen Thale lauscht! 
Dir schlügt das Herz, du merkst es bald, 
der liebe Gott wohnt in dem Wald; 
dein Auge zwar kann ihn nicht sehen, 
doch fühlst du seines Odems Wehen.
	        

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