Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

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Goldes, sondern auch Klümpchen, und manchmal große Klumpen. Ich 
möchte aber deswegen doch nicht dort sein, wo soviel Gold und Silber 
gegraben wird. Denn wenn ich mich auch vor den Schlangen, vor den 
wilden Tieren und Menschen nicht sürchte, so ist es doch da , wo am 
meisten Gold gefunden wird, öfters so teuer, daß man für ein solches 
Stück Brot, das bei uns einen Kreuzer kostet, wohl dreißig bezahlen muß; 
und das haben auch die armen Bergleute erfahren, die vor Jahren einmal 
wegen des hohen Lohnes, den sie dort haben sollten, nach Amerika gingen. 
Sie konnten ihren Frauen und Kindern gar kein Geld herausschicken, wie 
sie gehofft hatten, und konnten sich für das viele Gold, das sie dort be 
kamen, kaum satt an Brot essen. Auch sind die Leute dort faul und ver 
schwenderisch und sonst sehr schlimm, so daß sie bei all ihrem Golde 
meistens viel weniger glücklich sind als wir und öfters auch noch ärmer. 
So wurde doch auch der reiche König von Spanien Philipp II., der fast 
alle Jahre ganze Schiffe, mit Gold und Silber beladen, aus Südamerika, 
das damals sein war, bekommen hatte, am Ende so arm, daß er durch 
Geistliche von Haus zu Haus Beisteuern für sich sammeln ließ. Denn 
es kommt doch überhaupt nicht auf die vielen Einnahmen, sondern aus 
Fleiß und Gottes Segen an, wenn man als ehrlicher Mann leben 
und auskommen will. Ich meinesteils muß wohl sagen, daß mir ein 
gutes Gewissen viel tausendmal lieber ist als alle Berge in der Welt, 
wenn sie von Gold wären. 
Bei uns glaubt manchmal auch einer, wenn er beim Pflügen oder 
sonst wo ein Stücklein Schwefelkies oder Kupferkies findet, er habe Gold 
gefunden. Ein solcher Fund ist aber meistens keinen Pfennig wert, ob 
gleich der Stein fast eben so gelb aussieht und fast so glänzt wie Gold. 
Denn es ist nicht alles Gold, was glänzt. 
Da das Gold so vielen Menschen das Wünschenswerteste auf der 
ganzen Erde schien und oft höher als Gesundheit und Gottseligkeit geschätzt 
wurde, so fehlte es nicht an Versuchen, sich dasselbe auf thörichten oder 
gottlosen Wegen zu verschaffen. Die einen glaubten, wenn man nur die 
rechten Erdarten in einem Tiegel zusammenschmelze und allerlei Zauber 
formeln dabei ausspreche, so werde Gold in dem Tiegel entstehen. Allein 
diese Thoren verloren Zeit, Geld und Frömmigkeit; ihr Hab und Gut 
flog als Rauch zum Schornstein hinaus. Andere wollten gemünztes 
Gold in Töpfen aus der Erde graben. Mit Hilfe eines Schatzgräbers 
und einer Wünschelrute hoffte man den Geistern unter der Erde ihre ver 
borgenen Schätze abzugewinnen. Doch Mühe und Kosten und die gottlose 
Beschwörung der Geister sind allemal vergeblich gewesen. Durch Zauberei 
wird kein Mensch reich, und der Betrug führt selten zu einem guten Ende. 
Arbeit und Sparsamkeit füllen das Haus, und Morgenstunde hat Gold 
im Munde. Schubert. 
98. Rudolf von Habsburg. 
Auf einer anmutigen, waldumsäumten Anhöhe des Kantons Aargau, 
an deren Fuße die reißende Aar ihr Wasser dahinwälzt, steht das Ge 
mäuer einer alten Burg, unscheinbar und verwittert. Auch da sie noch 
neu und unversehrt gewesen, war sie kein Prachtgebäude. Eine liebliche
	        

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