Full text: V. Teil (5. Teil, 1889)

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und Fechten, säuberte seinem Herrn die Massen, wartete ihm bei der 
Tafel auf und begleitete ihn auf die Jagd und auf Reisen. In seinem vier 
zehnten Jahre wurde er Knappe und empfing das Schwert. Als Waffen 
träger folgte er nun seinem Herrn überall hin, zum heiteren Kampfspiel 
wie in den Ernst der Schlacht. Dem Herrn treu anzuhangen, im Kampfe 
das Leben für ihn einzusetzen, das galt ihm als die erste seiner Pflichten. 
Endlich, nach siebenjährigem Knappendienste, konnte der Jüngling zum 
Ritter geschlagen werden. Da leistete er vor einer glänzenden Versamm 
lung von Rittern und Edelfrauen das feierliche Gelübde, der Ritter 
pflichten stets eingedenk zu sein, worauf ihm ein bewährter Ritter mit der 
flachen Klinge drei lefichte Schläge auf die Schulter versetzte. Das nannte 
man den Ritterschlag. Nun wurden dem jungen Ritter außer dem 
Schwerte die übrigen Waffenstücke überreicht, nämlich die Lanze, der Helm 
mit Visier und Helmbusch, der Panzer, der gestickte Waffenrock, die farbige 
Schärpe, die Blechhandschuhe und die goldenen Sporen. Ein festliches 
Gelage beschloß die Feier des Tages. 
3. Die Turniere. — Zur Erhaltung des ritterlichen Sinnes 
dienten besonders die Turniere. Das waren festliche Waffenspiele, welche 
den Rittern Gelegenheit gaben, Proben ihrer Tapferkeit und Gewandtheit 
abzulegen und so Ruhm und Beisall von einer schaulustigen Menge öffent 
lich einzuernten. Nur Ritter von untadeligen Sitten durften daran teil 
nehmen. Der Turnierplatz war mit Schranken umgeben, hinter denen 
das Volk stand. Die Fürsten und Edelfrauen saßen auf reichverzierten 
Schaubühnen. Unter Trompetenklang und Paukenschall ritten die ganz 
in Eisen gehüllten Ritter paarweis in die Schranken. Nun rief ein 
Herold das erste Fechterpaar zum Lanzenstechen auf. Mit eingelegter 
Lanze stürmten die beiden Kämpfer gegeneinander an, jeder suchte den 
andern vom Rosse zu werfen. Saßen sie beide fest im Sattel, so zer 
splitterten oft die Lanzen an den stählernen Brustharnischen, zuweilen 
flogen beide Ritter zur Erde, zuweilen wurde einer samt seinem Pferde 
niedergeworfen. Da geschah es denn wohl auch, daß mancher Ritter Arm 
und Bein oder gar den Hals brach. Nach dem ersten Kämpferpaare 
wurde das zweite aufgerufen, dann das dritte, vierte, und so ging es 
mehrere Tage, ja wochenlang fort. Wer beim Turnier gesiegt hatte, 
erhielt ans den Händen der vornehmsten und schönsten Dame den Dank 
oder Preis, der in wertvollen Waffenstücken, einer goldenen Kette, einem 
kostbaren Ring und dergleichen bestand. Fürsten und vornehme Ritter 
entfalteten bei diesen Festen oft einen außerordentlichen Glanz. So setzte 
einst ein Graf als ersten Preis 100000 Goldstücke aus. Ein anderer 
ließ auf dem Turnierplätze einen ganzen Baum von Silber mit goldenen 
Blättern aufpflanzen. Jeder Ritter, der seinen Gegner aus dem Sattel 
hob, erhielt zum Danke ein goldenes Blatt. 
4. Die geistlichen Ritterorden. — Zur Zeit der Kreuzzüge, 
bei welchen die Ritter am meisten hervorglänzten, entstanden in Palästina 
Rittervereine, in denen sich das Rittertum mit dem Mönchswesen verband. 
Das waren die sogenannten geistlichen Ritterorden der Johanniter, 
der Tempelherren und der Deutsch Herren. Die Mitglieder der 
selben legten die Klostergelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Ge
	        

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