Full text: Des Heilands letzte Stunden

Schon lange wälzet dein verstört Gemüth 
Gefährliche, herrschsücht'ge Plane! — 
Doch seh't, dort nah't er selbst, der Judas. 
Judas Jschariot. 
Wohin? was scheu't mein Blick? was treibt von Menschen 
Hinweg mich in die Nacht, — auf starren Fels? 
Was ist gescheh'n? geschehn durch mich? — 
Was meine Obrigkeit befahl — nichts weiter! 
Nein, nein! verkauft hab' ich ihn seinen Feinden, 
Verkauft — ich — ihn. — 
Hinweg du blnt'ger Sold! 
Verhöhnend werf' ich dich zu ihren Füßen! 
Der Herr macht dann durch Gotteskraft sich frei, 
Steht nun verklärter da vor allem Volk — 
Ich hab' ihm diese Herrlichkeit bereitet. 
Rein steh' ich da vor Gott, vor ihm, vor mir! 
Doch wenn sie siegt, der Feinde Uebermacht? 
Wen» er erliegt und du, du hast's vollbracht? 
Tkrie. 
Weh', Judas, über dich! 
Entsetzen fasset mich: 
Ich seh' ihn bluten! 
Der Erde Grund 
Oeffnet den Mund — 
Mich umgeben reißende Fluthen! 
O schlinge mich hinab. 
Furchtbares Grab, 
Das ich suche! 
Was ist cs, das mich hält? 
Elender, hinab 
In das schweigende Grab! 
Verbirg dich vor dem Fluche 
Der ganzen Welt! 
Recitativ. 
Mari a. 
Wer bleibt ihm treu, wenn ihm die Treue brechen, 
Die er mit innner gleicher Lieb' umfing? 
Wer wagt für ihn ein rettend Wort zu sprechen, 
Wenn der ihn läßt, der ihm zur Seite ging?
	        

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