Full text: Festschrift zum 150. Jubiläum des Staatlichen Friedrichsgymnasiums zu Kassel

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schöne Lieder singen und auch sonst der edelen Frau Mustka huldigen. In 
Dr. Rudolf Brede, der gerade als Kandidat eingetreten war, fand er den 
richtigen Mann, der auf feine Ideen einging und bereit war, sein hervor 
ragendes musikalisches Talent in den Dienst der guten Sache zu stellen. Am 
L). April i§§4 legte Bogt die von ihm entworfenen Satzungen der Lehrer 
konferenz vor. Die eigentliche Gründung des Vereins erfolgte aber erst im 
Oktober diefes Jahres, wenn auch der Verein sich in musikalischer Be 
ziehung hohe Ziele steckte und gediegene Ouartettleistungen erstrebte, so war 
es trotzdem Vogts Wunsch, daß alle Primaner, auch die unmusikalischen, ihm 
angehören sollten. So mußte diesem neuen Verein der bis dahin unter den 
Primanern bestehende Freundschaftsbund, die Amicitia, weichen. Die Ami- 
citia war im Jahre 1665 am )3. Januar von den Primanern Iatho, Böffer, 
Henze, Bürger, Lollmann und Hüpeden gegründet worden und batte in 
ihrem Wappen nach der Zahl der Gründer sechs Sterne. Als Abzeichen trugen 
sie ein blau-rotes Seidenband. Bei ihren regelmäßigen Zusammenkünften 
lasen sie klassische Dramen mit verteilten Rollen und begeisterten sich be 
sonders an den Iugendwerken Schillers. Aber sie spornten sich auch zu eigenen 
Schöpfungen an, und zu der von ibnen gegründeten „Literarischen Land-, See- 
und Wiesenzeitung" hatte jedes Mitglied wöchentlich einen Beitrag, sei es 
in gebundener oder ungebundener Form, zu liefern. Daneben wurde die beitere 
Geselligkeit gepflegt, Bier getrunken, geraucht und gesungen. Bei ihrer 
Weihnachtsfeier umtanzten sie den brennenden Lichterbaum und sangen in 
jugendlicher Begeisterung ihr Bundeslied: 
Seht her, wie stolz ich um mich schau, 
Die Brust geschmückt mit Rot und Blau; 
Die Treue blau, die Liebe rot, 
Die Farben lieb' ich bis zum Tod. 
Die Lehrer wußten um diesen Verein; aber sie ließen ihn trotz farbiger 
Bänder und Schläger gewähren, sie sahen, daß es sich hier um harmlose 
Spielereien handelte und daß in der Hauptsache ideale Bestrebungen in dem 
Freundschaftsbunde gepflegt wurden. Aber mit dem Vogtschen Gedanken eines 
Gesamtprimanervereins ließ sich eine derartige Absonderung natürlich nickt 
vereinigen, und so wurde das Gesuch von sieben Primanern, im Sommer i§§4 
die Verbindung, die zeitweilig geruht batte, wieder aufzutun, abschlägig 
beschieden. Noch einmal versuchte im nächsten Jahre ein Alter Herr der 
Amicitia, Iustizrat Scheffer, diesen Beschluß rückgängig zu machen; aber auch 
dies Gesuch wurde durch Konferenzbeschluß vom ir. Oktober j665 abgelebnt, 
und damit war die Amicitia, die im Laufe der Jahre 7) Mitglieder gezählt 
und deren letzte »corona“ am 25. August getagt batte*, nach zwanzigjährigem 
* Das Schlußprotokoll mit den Verhandlungen von Starts und Scheffers ist in den fänden 
des Herrn Geheimrats Hüpeden.
	        

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