Full text: Festschrift zum 150. Jubiläum des Staatlichen Friedrichsgymnasiums zu Kassel

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diesem doch sehr eigenartigen und sehr eigentümlich gestellten Schüler seine 
Schuldigkeit redlich getan bat und daß es die großen Hoffnungen, die auf 
dasselbe gesetzt worden sind, in hohem Maße erfüllt hat." Auch das Mini- 
sterium und das Provinzialschulkollegium goffen Öl in die Wunde. Aber 
Vogts Freunde wußten, daß hier etwas zerbrochen war, was nicht wieder 
ganz gebeilt werden konnte. Ja, man darf wohl sagen, daß von der Zeit an 
ihm die wahre innere Freudigkeit an seinem Beruf stark herabgemindert 
war. Um dem Kaiser nicht persönlich zu begegnen, nahm er mehrfach Urlaub, 
wenn der Hof im Sommer in Wilhelmshöhe residierte, und reichte schließlich 
sein Abschiedsgesuch ein, welches zunächst zurückgewiesen, aber 1893 genehmigt 
wurde, wie schwer er seinen ehemaligen Direktor getroffen batte, ist dem 
Kaiser wohl erst später zum Bewußtsein gekommen, besonders infolge einer 
Unterredung des Generalsuperintendenten Lobr mit dem Prinzen Heinrich. 
Jedenfalls bemühte er sich anscheinend, den Verletzten zu versöhnen.* Äußer 
lich ist denn auch das Verhältnis wieder hergestellt worden. Vogt war wieder 
öfter der Gast fernes kaiserlichen Herrn, zuletzt im August 190;, und dieser 
gab ihm selbst und der Anstalt vielfach Beweise seiner Huld durch persönliche 
Ehrungen und Schenkungen.** Noch heute zieren die wände des Festsaales 
und des Grgelzimmers außer den beiden bei seinem Abgang von der Schule 
gestifteten großen Lichtbildern von ihm und seinem Bruder Heinrich das 
von Stankiewitz gemalte Ölbild seines Vaters, das er krrrz nach deffen Code 
der Anstalt stiftete (1889), sein eigenes das am 7. September 1891 folgte, 
ferner Fachbildungen der in seinem Auftrag von Professor Knackfuß 
entworfenen Zeichnungen, und ein Bild der Königin Luise (1910). Alljährlich 
liefen vom Hofmarschallamt Bücher und Kunstwerke ein, die an tüchtige 
Schüler verteilt werden sollten, endlich wurde das von seinem Vater bei 
seinem Abgang von der Schule im Jahre 1877 gestiftete prinz-wilhelm- 
Stipendium in Höhe von tausend Mark auf seine Anordnung von der Kaiser 
lichen Schatulle weitergezahlt. Die Räume der einst von ihm besuchten 
Schule hat der Kaiser allerdings, so oft er auch hier in Kassel weilte, trotz 
mehrfach geäußerter Absicht nicht wieder betreten. Aber seine alten Lehrer 
Vogt, Heußner und Kius bat er häufig zu sich ins wilhelmshöher Schloß 
entboten, und als die schöne, alte Prinzenfahne, die er einst als Schüler im 
Auftrag seines Vaters gestiftet und bei der Sedanfeier 1875 selbst der Schule 
vorangetragen hatte, allmählich zerschliß, bat er diese nicht nur völlig 
wieder herstellen, sondern auf die Bitte des damaligen Direktors Baltzer eine 
noch kostbarere neue anfertigen lassen und diese am 19. August 1911 in 
* Vergl. seine Rede vom rS. August 1903. 
** Er verlieh ihm den Roten Adlerorden II. Rlaste mit Eichlaub. Schon vorher befaß 
Vogt neben waldeckschen und hessischen Orden Adler und Rreuz der Ritter des Hohen- 
zollcrnschen Hausordens, den R A IV. und III. Rlaffe.
	        

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