Full text: Festschrift zum 150. Jubiläum des Staatlichen Friedrichsgymnasiums zu Kassel

liken ein geringer war. Da die Aufnahme jüdischer Schüler mit Schwierig 
keiten verknüpft und von der Erlaubnis des Direktoriums abhängig war, so 
war ihre Zahl sehr klein. Die ersten finden sich im Jahre 17S7. Das Ver 
hältnis ist bis weit ins nächste Jahrhundert meist fo geblieben. Noch im 
Jahre )S66 waren unter 44s Schülern nur )6 Katholiken und s Juden. 
Auch im Lehrerkollegium war es ähnlich. Es blieb evangelisch, wenn auch 
im ganzen zwei Juden ihm angehört haben und zehn Katholiken (G. Flügel, 
Finsterwalder, Auth I und II, Uth, Ernst, Weidenbusch, Rübsam, Püttgen, 
Ziegler). — So wurde denn auch das alte Verhältnis der Schule zur Martins- 
kirche aufrecht erbalten. Vloch über hundert Jahre beging sie alljährlich, erst 
im September, später im November, die gemeinsame Abendmahlsfeier in dem 
alten Dom. Zwar beteiligten sich nicht immer alle konfirmierten Schüler an 
dieser Feier, und in den Jahresberichten lesen wir öfter Klagen über diesen 
Mangel an kirchlichem Interesse. Gideon Vogt hielt es später für angezeigt, 
deshalb einen kleinen Druck auszuüben und verlangte von den Schülern, die 
sich nicht beteiligen wollten, daß sie ihm persönlich die Gründe für ihr Ver 
halten angeben sollten. Auch Leugner war es Herzenssache, bei dieser Feier 
möglichst alle evangelischen Lehrer und Schüler um sich zu haben. Aber nach 
seinem Rücktritt beschloß das Lehrerkollegium, noch ehe der neue Direktor 
eintrat, von dieser gemeinsamen Feier in Zukunft abzusehen, in der Über 
zeugung, daß die Einrichtung ohne Gewissenszwang nicht durchzuführen sei. 
Es kam mit diesem Beschluß auch dein Wunsche vieler Eltern entgegen, 
die lieber mit ibren Rindern in der Kirche ihrer Gemeinde die Feier begehen 
wollten. Damit war allerdings das letzte Band, das das Lyceum mit der 
Martinskirche verband, zerschnitten, überhaupt batte sich im Laufe der 
Zeit das Verhältnis von Kirche und Schule mehr und mehr gelockert. In der 
Ära Vilmar—Hassenpsiug war noch einmal der Versuch gemacht worden, der 
Kirche einen starken Einfluß auf die Schule, vor allem auf das Lehrer 
kollegium, zu sichern. Schon 1647 war den angebenden Philologen dringend 
geraten, zugleich Theologie zu studieren. Und es finden sich in der Tat unter 
den späteren Lehrern der Anstalt eine ganze Reihe, die das Studium der 
Philologie mit dem der Theologie vereinigt batten. — Jetzt wurde nun ver 
fügt, daß alle Religionslehrer vor Beginn ihrer Tätigkeit ordiniert werden 
mußten. Bei piderit und Ostermann, die bereits als Religionslehrer tätig 
waren, nahm Vilmar Ostern 1852 die Ordination persönlich in der Martins- 
kirche vor. plur solche, denen die Kirche ihre Zustimmung gegeben und die sich 
auf Bekenntnis und Kirchenordnung von 1057 verpflichtet hatten, wurden 
zum Religionsunterricht zugelassen, und sie hatten durch Handschlag zu 
geloben, auch ihre Schüler nach den Bekenntnissen und Ordnungen der Kirche 
zu erziehen. Es galt als selbstverständlich, daß nur Vertreter der im Kur 
staat anerkannten christlichen Lehre Religionsunterricht erteilen durften,
	        

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