Full text: Geschichte des Gymnasiums zu Corbach (I.)

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die Religionslehre ausschließlich die Sache der Geistlichkeit war. 
Die Methode dieser Zeit war noch immer, daß der Lehrer den 
Schülern vorzusagen pflegte, was sie auswendig lernen sollten, 
wobei die größeren dem Lehrer halfen. Mehr als etwas Latein, 
die Melodien zu den üblichen Psalmen, den Glauben und das 
Vaterunser mochten die Schüler wol auch im 15. Jahrhundert 
nicht lernen. ” 
Ob die Mönche des im I. 1487 zu Corbach gestifteten Fran- 
ziscanerklosters irgendwie auf die Schule Einfluß ausgeübt haben, 
kann nicht gesagt werden. An anderen Orten unterhielt der Fran- 
ziscanerorden vielfach in den Klöstern und außerhalb derselben 
. Schulen, wie dann auch die meisten Lehrbücher für Schulen vor 
der Reformation gerade von Franziscanern verfaßt wurden. " 
Da im Kloster zu Corbach ein Codex des lateinischen Dichters 
Ovidius aufgefunden ist 17 und wahrscheinlich ein Franziscaner- 
mönch das Altargemälde in der St. Kilianskirche daselbst gemalt 
hat (Gesch. der Kilianskirche, S. 357), so sieht man daraus wenig 
stens, daß sich die Mönche mit Wissenschaften und Künsten beschäf- 
. tigt haben. 
Die Gemeinden allein hatten für die Schulmittel zu sorgen, 
sie allein nahmen daher auch die Schulmeister an, bestimmten deren 
Sold und die Dauer des Schuldienstes. 28 Da die Schüler mit 
dem Gottesdienste in vielfacher Verbindung standen, indem, man 
sich damals eine Schnle ohne kirchliche Verbindung nicht zu denken 
vermochte, so waren die Schulgebäude in der Nähe der Kirchen. 20 
Papier gegen 3 Thlr. nach unserm Gelde bezahlt werden. Gräfe, die 
deutsche Volksschule, 1850, III., 161. Als Graf Philipp von Waldeck um 
1512 nach Palästina wallsahrtete, hatte er unter den acht Rittern, die mit- 
reiseten, nur einen, der schreiben konnte und daher „Schreiber" genannt 
wurde. Rauchbar, wald. Kirchen- und Religions-Staat, MS. Vgl. Cord. 
Chronik, S. 184 e. 
" Korber, Gesch. der Pädag., S. 95. Heiland, a. a. O., S. 4. 
"Heiland, a. a. O., S. 4. 5. 
"Gegenwärtig auf der Bibliothek zu Göttingen aufbewahrt. 
"Mone, I. 1., 133. 
"Jb. S. 135. Knoch, die Gesch. des Schulwesens zu Helmstädt, 1860, 1., 
S. 15. Helfenstein, die Gesch. des Schulwesens der freien Stadt Frank 
furt, 1858, S. 18.
	        

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