Full text: Geschichte des Gymnasiums zu Corbach (I.)

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zwar auf der Altstadt sein. Wenn man aber ans der Neustadt 
singen müsse, so solle man vier oder sechs auf der Neustadt geborene 
Schüler zur Messe schicken. Des heiligen Abends aber sollen sämmt 
liche Singeschüler von der Neustadt daselbst zu der Vesper sein, 
und des heiligen Tages zu der Mette, Messe und Vesper, auch 
soll der Meister der Schule Einige mitschicken, die den Chor ver 
wahren. " In Betreff des Gesanges ist daran zu erinnern, daß 
es vor der Reformation weit mehr Lieder von reinem christlichen 
Gehalt gab, als man bis jetzt geglaubt hat (Wackernagel, das 
deutsche Kirchenlied, 1841, Vorr. XlV.). Was den Unterricht be 
trifft, so beschränkte sich der überhaupt nur auf Deutsch, Lesen 
und Schreiben."" Von dieser Zeit an finden wir den Bnrgemei- 
ster und Rath der Stadt Corbach bei Entscheidung über Schul 
fragen, Einführung von Lehrern u. dgl. thätig; es ist daher anzu 
nehmen, daß vorr jetzt an die Stadt die Unterhaltung der Schule 
übernommen hat, bis durch Einführung der Reformation auch 
diese Verhältnisse eine Aenderung erlitten. 
Im 15. Jahrhundert werden neben dem Rector der Schule 
Untermeisler, also zweite Lehrer, erwähnt, wie diese bei den Schulen 
des Mittelalters in der Regel vorkommen. Als nämlich im I. 
1413 der allmächtige Gott beu Grafen und den Bürgern der Stadt 
geholfen, daß sie den Streit mit den Herren von Padberg gewan 
nen, da vereinigte sich der Burgemeister, Rath und die ganze Ge 
meinheit beider Städte und stifteten ein ewiges Begängniß auf 
den heiligen Reginentag, da der Streit gewonnen war. An diesem 
Tage sollte das heilige Kreuz und das heilige Sacrament um die 
Stadt getragen und den Priestern, die in Procession mit umgehen 
würden, dem Chorherrn und seinen Capellanen jedem eine Gabe 
von 4 Pfennigen gegeben werden, dem Schulmeister aber und 
"Der Stadt Corbach wahrhafter Gegenbericht, S. 142. 143. Wie denn im 
14. Jahrhundert überhaupt ein Bestreben der deutschen Städte hervortrat, 
eigene Schulen zu gründen (Sack, Gesch. des Schulwes. in Braunschweig, 
1861, S. 46. 87; Hautz, Gesch. der Neckarsch, in Heidelberg, 1849, S.26; 
Fischer, Gesch. des Gyrnnas. Andreanum, 1862, S. 34. Im 1.1433 wurde 
in Weimar das Verhältniß der Schule zu Rath und Pfarrer urkundlich 
festgestellt (Heiland, a. a. O, S. 2. 3). 
"Landau, I. I, S. 278. Korber, Gesch. der Pädagogik, 1857, S. 93.
	        

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