Full text: Geschichte des Gymnasiums zu Corbach (I.)

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faltiger Einsetzung ohne Zuthun päpstlicher Ceremonien, wie sie 
in der Kirchenordnung noch vorgeschrieben seien, zu taufen." Die 
Prediger aber schlugen ihm dies Verlangen nicht nur ab, sondern 
schimpften auch öffentlich in ihren. Predigten über daffelbe. Da 
nun um diese Zeit (16. Juni 1584) zu Mengeringhausen die Syn- 
ode gehalten wurde, so trugen Vietor, Nymphius und andere 
Prediger mit großer Bekümmerniß vor, daß Germberg sein Kind 
an 6 Wochen ungetanst habe liegen lasten und daß er bis jetzt 
noch verlange, es solle der Einsetzung des Herrn gemäß getauft 
werden, nicht aber nach der Kirchenordnung. Die Synode beschloß, 
die Grafen zu ersuchen, solcher Zerrüttung der Kirche vorbeugen 
zu wollen. Die 3 Grasen beredeten sich darauf 8. <1. Jsenbergk 
d. 9. Juli 1584 schriftlich, daß sie durch ihre Diener diese Sache 
demnächst wollten untersuchen lassen. Diese veranlaßten darauf 
eine Zusammenkunft mehrerer Prediger in Corbach, damit darüber 
berathen werde, ob der Exorcismus, der in der Kirchenordnung 
stand, abgeschafft werden solle oder nicht. Die meisten der an 
wesenden Geistlichen waren der Ansicht, daß derselbe im N. T. 
nicht enthalten sei und faßten daher den Beschluß, er solle abge 
schafft und von den Geistlichen nicht mehr in Anwendung gebracht 
werden. Hierauf wurde (19. August 1584) den Stadtpredigern 
befohlen, Germbergs Kind ohne Anwendung jener Formel zu 
taufen (Wörtlich aus: Gesch. der Kilianskirche zu Corbach von 
L. Curtze und F. v. Rheins. 1850. S. 321, 322.). Schöner 
stand mit Germberg nicht gut; er warf ihm namentlich vor, daß 
sich befinbenbe Exorcismus disputirlich angezogen sei, so wurde 
zur Berathung die Frage gestellt: ob der Exorcismus in Gottes 
Wort begründet und afto in der K.-Ordnung zu lassen, oder wie 
dies sonst zu verbessern. Das Resultat der gründlichen Berathung 
fiel dahin aus: turnt sehe für gut an, daß ein jeder Herr seinen 
Prädicanten berichte, daß sie sich des Exorcismus hinfüro enthalten 
und derselbe also stillschweigend abgeschafft werden solle. Den 
Predigern zu Corbach aber wurde befohlen, daß sie dem Conrector 
sein Kind ohne Exorcismus taufen sollten. Den Pfarrern war 
dies aber, wie es scheint, gar nicht genehm, auch dem Rector 
Schöner nicht, da er noch dem 10. März 1585 den Lehrer Scri- 
bonius zu einer Dispntation veranlaßte, in der es 4. hieß, der 
Exorcismus werde ohne allen Grund abgeschafft.
	        

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