Full text: Geschichte des Gymnasiums zu Corbach (I.)

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Wissenschaften in einer rechten Ordnung, nicht in einer verwor 
renen Weise gelehrt werden (Promulg. novae Schoiae Wald.). 
Während aber Schöner dem Ramus folgte und denselben bewun 
derte, bewunderte er auch anderer trefflicker Lehrer Tugenden, 
insbesondere die des Melanchthon, jener Zierde des 16. Jahrh. 
Dieser habe, seiner Ansicht nach, Gleiches mit Ramus gethan und 
gewollt. Melanchthon wollte die Philosophie den Schülern als 
besondere Theile: Mathematik, Physik und Ethik, gelehrt wissen. 
Ebenso Ramus. Melanchthon legte den größten Werth auf Beredt- 
samkeit. Er übte die griech. und lat. Grammatik und empfahl 
Nachahmung des Cicero und des Demosthenes, schlechte Redeweise 
und Vernachlässigung des Griechischschreibens mißbilligte er sehr. 
Virgil und Homer wurden der Nachbildung in der Poesie wegen 
gelesen, ebenso Dichter anderer Gattung. Ganz ähnlich war es bei 
Ramus. Phil. Melanchthon war darauf bedacht das Studium 
der Rhetorik und Logik durch Uebung täglicher Deklamation und 
Disputation so viel er konnte zu fördern; Ramus war selbst öffent 
licher Lehrer der Beredtsamkeit und Philosophie. Melanchthon 
wollte, daß das Studium der Mathematik gleichsam als das Fun 
dament der Physik und Politik vorausgeschickt werde und empfahl 
die Lectüre des Euclid rc. und hielt Keinen für einen Philosophen, 
der diese Wiffenschaft nicht betrieb. Aber auch Ramus hat diese 
mathem. Wissenschaften eifrig gelehrt. Daher ist es klar, daß 
Melanchthon und Ramus dasselbe gewollt und gedacht haben. 
Beide haben in gleicher Weise die lat. und griech. Sprache betrieben 
und ausgebildet, Beide gingen von der Beredtsamkeit zur Mathe 
matik, von der Mathem. zur Physik, dann zu den übrigen Lehren. 
Wo Beide aber nicht übereinstimmen, muß man dem eigenem Ur 
theile folgen. Melanchthon sowohl als Ramus nahmen weder 
Auctorität, noch Gewohnheit als Gesetz, Beide wollten allein, daß 
das Gesetz der Vernunft Geltung haben solle; Beide genügten sich 
nie, sondern wollten immer das Bessere. 
Das Schreiben der deutschen und lat. Buchstaben wurde vom 
Lehrer an der Tafel vorgezeigt. Für den, der ein Redner oder 
Logiker werden wolle, glaubte Schöner, sei nichts nöthiger als daß 
er rein zu reden und zu schreiben wisse. Deßhalb sei vor allen 
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