Full text: In Frührot und Abendschein

z CI — 
Die Nadel fliegt, und leise summt ihr Mund 
Ein Liedlein, das doch einen Hörer fand. — 
Der stand noch immer da —- und war so 
rot: — 
Es pocht sein Herz, er weiss nicht, wie 
ihm ist, 
Geht in dem Erkerstübchen hin und: her, 
— Es war nicht gross — und immer kehrt 
zum Fenster 
Er froh zurück und Jauscht und lugt und 
lacht: 
Die ganze Welt, er möchte sie umarmen. 
Die Bände, die ihm in.dem Wege sind, 
— So manchen hatte teuer er erstanden, 
Stets sorglich eingeschlagen, um: zu 
schonen. — 
Er schleudert sie mit Fusstritt in die Ecke. 
Ihm wird so wohl, er möchte jubeln, singen, 
Aufjauchzen einmal recht aus Herzensgrund. 
„Doch ja nicht — leise nur. — sie darf’s 
nicht merken, 
Dass ich sie sah“, beschwichtigt er sich 
selbst, 
Und greift sich. an die fieberheisse Stirn: 
„War ich. denn blind? War fühllos denn 
mein Herz, 
Dass ich so kalt blieb bis. zu: dieser Stunde 
In nächster Nähe dieses holden Kindes? 
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